Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 180 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Ethik, dem Glauben an das durch sittliche, m e nsc h 1 i c h e Arb ei therbeizuführende R e i ch des'Messias I Der Kampf uni des Judentums Zukunft muß ausgefochten werden. So wenig die religiösen Richtungen aus Gründen leidiger Politik praktisch zusammengehen, so fest stehen sie in der Idee zusammen gegen die nationale Forderung. Liberalismus will keineswegs etwa gleichgestellt sein mit der liberalen Partei, die in Gemjeinden und Organisationen kleinliche politische Kämpfe ausficht. Liberalismus ist auch nicht auf das Judentum übertragene allgemeine Weltanschauung. Der wohlverstandene Liberalismus nimmt die Grundsätze seiner Denkweise lediglich aus seiner Auffassung von der jüdischen Lehre und Geschichte. Er wurzelt in jüdischem Geiste! Und darum sind seine Argumente gegen den Nationalismus durchschlagend. Der Nationalismus ist unjüdisch, ein Assimilationsprodukt, das die Zukunft unserer Gemeinschaft in Frage stellt. Der Liberalismus als Teil des religiösen Judentums muß und wird sein unversöhnlicher Gegner sein*). Die Vorzugsstellung der Thora vor den übrigen heiligen Büchern, Eine. Betrachtung zum Schlußfest von Rabbiner Dr. Norden- Elberfeld. Was verstehen wir unter einem heiligen Buch? Bücher gibt es ja in zahlloser Menge; zahlreicher sind sie fast als die Sandkörner am Meer, und nur allzuviele schlechte sind darunter, die mehr Schaden stiften als Nutzen. Aber auch gute, vortreffliche Bücher gibt es glücklicherweise in nicht geringer Zahl, Bücher von hohem Wert und unschätzbarer Bedeutung. Nennen wir diese Bücher nun etwa heilig, sämtliche guten Bücher der Wissenschaft und der edlen Dichtkunst? Nein, wertvoll nennen wir sie und schätzen ihren Inhalt nach Gebühr. Heilig aber nennen wir ein Buch nur dann, wenn es sich mit den höchsten Fragen menschlichen Denkens befaßt, wenn es sich bemüht, uns eine gefestigte sittliche Lebensauffassung zu geben. Heilig nennen wir ein Buch nur dann, wenn es den Zweck verfolgt, unser Verhältnis zu Gott zu regeln. Ein solches Buch bezeichnen wir als heilig, gleichviel, zu welcher Zeit und von welchem Verfasser es geschrieben ist. In engerem Sinn bezeichnen wir dann vor allem diejenigen Bücher als heilig, die vor einigen Jahrtausenden von jüdischen Gelehrten gesammelt und von ihnen auf Grund ihres Inhalts als heilige Schriften bezeichnet worden sind. *) Ich verweise zur näheren Erläuterung der hier vertretenen Auffassung auf folgende Schriften von mir: „Zionismus oder Liberalismus", Frankfurt a. M. 1911 und „Das liberale Judentum" in der Sammelschrift: „Das Deutsche Judentum" 1919.