Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 179 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 179 — tes Nebeneinander von Staat und Religion undenkbar ist; wäre es der Fall, so müßte selbstverständlich der enge und kleinliche Nationalismus, dem das Glück des eigenen Volkes oberstes Gesetz ist, der Wert oder Unwert ethischer Vorstellungen: und Taten nur nach dem Nutzen oder Schaden für das Volk bemißt, der mit einem Worte die Unterwerfung unter eine übernationale, allgemeingiltige Ethik dann ablehnt, wenn sie mit dem vermeintlichen Wohle der Nation in Widerspruch steht, die religiöse Lehre auf das ungünstigste beeinflussen. Aber auch so, da der Nationalismus nur als geistige Strömung um Anerkennung ringt, sind die bösen Folgen spürbar. Daß der völlig unreligiöse Nationalist jüdische Glaubenslehre und Ethik ablehnt, soll hier nicht einmal besonders bemerkt werden. Ist ihm ja doch der Nationalismus lediglich das Mittel, das von der Außenwelt an ihm entdeckte und ihm vorgeworfene Judentum, zu dem, er religiös in keiner Beziehung steht, innerlich zu rechtfertigen. Aber daß der religiöse Nationalist gleichfalls Trübungen seines religiösen Bewußtseins erfährt, beweist der Umstand, daß in der nationalistischen Literatur manche der erhabensten Ideen, wie die vom Weltengott, vom Universalismus der Menschenliebe, von der Ausbreitung des Gottesreiches in besseren Fällen kühle Kritik, in schlechteren offenen Hohn erfahren und daß andere, wie die messianische Vorstellung, eine Umbiegung erleiden, die ihren Sinn in das Gegenteil verkehrt. Der Liberalismus geht davon aus, daß jede lebenskräftige Gemeinschaft ihren typischen Wert besitzt. Sie erblickt den des Judentums darin, daß er der Träger des reinen Monotheismus ist und der Künder der vollendetsten Ethik, daß sein Weg zur Zukunft der Weg des Heiles für die g e * sani'te Menschheit ist. Was dieser Auffassung widerstrebt, ist von seinem Standpunkt aus bekämpfenswert. Der Nationalismus raubt aber dem Judentum diesen Eigenwert, der im jüdischen Bewußtsein als der Begriff der Auserwähltheit auftritt. Das Judentum hat Daseinsrecht in seiner Eigenart, als Vertreter seiner religiösen Ideen. Wird es aber von nationalistischem! Geiste und von nationalen Gedanken beherrscht, so sinkt es unter ungünstigen Verhältnissen zu einem nichts herab, einem trotzigen Zusammenschluß von Menschen, deren kraftloses Ideal die Errichtung eines Duodezstaates ist. Und selbst wenn das Ziel winkt, wenn Palästiiia nicht nur Heimat, sondern nationaler Staat wird, ist wenig gewonnen. Die Erreichung des Zieles bedeutet den Verzicht au fgeistige Durchdringung der Welt mit den Ideen des Judentum! s : dem Monotheismus, der allgemeinen göttlichen