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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. Seite 176

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 9 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 176 (sequence 12)
Language
German
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- 176 — nicht anders feststellen als indem er die jüdische Religion zu Hilfe nimmt. Denn die Glieder, der Nation sind nicht etwa die durch Abstammung der Judenheit angehörige Menschen, sondern die zum Judentum, d. h. zum jüdischen Glauben sich bekennenden, und in den nationalen Kreisen, die noch urwüchsig jüdisch denken und nicht in blassen, unwirklichen Theorien schwelgen, ist Taufe ,,n ationaler Verrat". Immerhin aber proklamiert er die jüdische Nation, lehrt, daß das Judentum gewissermaßen eine Nation in partibus infidelium sei und daß trotz des Fehlens der wichtigsten Merkmale nationalen Lebens, des Landes, der Kultur und der Spräche, das Bekenntnis zur jüdischen Nation eigentliches Kennzeichen des Judeseins ist. Das einzige Argument für die Richtigkeit dieser Theorie — da man Hoffnungen und Stimmungen nicht als Beweismitter in Betracht ziehen kann — ist auf den ersten Blick recht bestechend; es ist der Hinweis auf die einst blühende jüdische Nation des Altertums, und der Schluß scheint naheliegend, . daß Vergangenes wieder zum Leben erweckt werden könne. Die Anhänger dieser Idee sind aber von einer schönen Romantik in die Irre geleitet, übersehen sie doch, daß zwischen dem Fall Jerusalems und unseren Tagen eine Kulturentwicklung liegt, die nicht aus der Welt zu schaffen ist. Der Religionsstaat der alten Juden ist endgiltig überwunden, und absolute Trennung von Staat und Kirche ist das Ideal aller gerecht und freiheitlich denkenden Menschen. Religion ist nicht mehr Staatsangelegenheit wie einst, sondern Gewissenssache, und es dürfte nicht das kleinste weltgeschichtliche Verdienst des Judentums sein, daß es durch die Lehre seiner Propheten einerseits die Religion zur ureigensten persönlichen Angelegenheiten der Einzelseele gemacht hat, über die nur der Mensch selbst bestimmt, andererseits aber auch das erste Beispiel für eine unabhängig von dem Staate als Träger bestehende Religion gab. Staatsreligionen müssen eng begrenzt sein, ihre Ethik steht in'Wechselbeziehung zum Volkscharakter, ist beeinflußt von seinen Fehlern und Schwächen, und Ubernationales, absolut Giltiges steht nicht al^ oberster Maßstab über allem Tun. Die jüdische Religion aber, die kraft der göttlichen Offenbarung absoluten Wert besitzt, überwindet das Nationale und wird allgemeine Weltreligion. Ihre Formen und Gebräuche atmen nationalen Ursprung, ihr Geist aber ist weit über die engen Schranken .eines Volkes hinausgewachsen. Den Religionsstaat wieder erwecken wollen, hieße die eigene Entwicklung Lügen strafen. Aus politischen wie aus inneren Gründen ist eine Religionsnation unmlöglich. Sie wäre politisch der ewige Quell bornierter, Intoleranz, religiös ein Hemmschuh für die unbe-

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