Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 174 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- 174 - Gegner jeder nationalen Einstellung sein muß, während er den rein zionistischen Ideen gegenüber Verständnis und Zustimmung zeigt oder zeigen kann. Und das nicht etwa aus allgemeinen menschlichen Erwägungen heraus, aus der Freude darüber, daß armen verfolgten Juden durch den Aufbau des heiligen Landes eine Heimstätte gegeben wird. Solche Betrachtungen sind für jeden fühlenden Menschen selbstverständlich. Der Liberalismus will aber religiöse B-ewegung sein und vermag als solcher sich nicht mit gewissen Grundlehren der jüdischen Religion in Widerspruch zu setzen. Und daß der Aufbau Palästinas unbestrittenes religiöses Gebot ist, daß andererseits die messianische Zeit mit der Rückkehr der Juden ins heilige Land und der Wiedererrichtung des Tempels eng verbunden ist, steht für den Liberalen ebenfalls fest, mag er auch im Gegensatze zum Orthodoxen den Opierkult verwerfen. Zu diesen religiösen Anschauungen treten noch Pietät und Tradition. Palästina ist nun einmal der Heimats-w boden unserer Geschichte, jedes Fest ruft die Erinnerung an das heilige Land wach, die großen Männer, denen wir im Geiste folgen, wurzeln in palästinensischer Erde, unser Schrifttum trägt den Erdgeruch Palästinas an sich, und es ist darum ein sehr treffendes Symbol, wenn wir uns beim Gebete gen Jerusalem wenden. Da echte Gefühle sich in Werte tätiger Mitarbeit, umsetzen lassen müssen, wird der wirklich religiöse liberale Jude für Palästinaarbeit nicht nur Verständnis haben, sondern er wird innerhalb des Rahmens, der durch seine Anschauung vom Nationalen bedingt ist, kraftvoll mit« arbeiten. Und diese Meinung ist keineswegs durch die Palästinabegeisterung unserer Tage entstanden. Vor der Entstehung des konkreten Herzischen Zionismus und während seines Wirkens haben trotz erheblicher politischer und sonstiger Gegensätze Menschen liberaler Anschauung fruchtbare, bleibende Arbeit für das Land der Väter verrichtet. Wenn wir nun im folgenden den praktischen Zionismus außer acht lassen und uns lediglich mit dem Verhältnis zwischen Liberalismus und Nationalismus 'befassen, so sei auch hier vorausgeschickt, daß nur die rein theoretische Frage der Vereinbarkeit einer religiösen Auffassung vom Judentum mit einer nationalen in Frage kommt. Nicht die Einwendungen, die der Jude als deutscher Staatsbürger und Mensch deutscher Kultur zu machen hat, sollen uns beschäftigen, obwohl fraglos fast überall der liberale Jude sich auch zu ihnen bekennen wird. Daß ein jüdischer Nationalismus die Kulturzugehörigkeit der Juden zu zerstöjrem brachtet, ohne ihm für die vernichteten Werte neue zu geben, daß er die Entfremdung zwischen dem Juden und seinem andersgläubigen Mitbürger, mit dem zusammen einträchtig zu leben