Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 173 - machen uns teilhaftig der reichen geschichtlichen Werte der Vergangenheit, die Schönheit und Wärme in unser sonst so nüchternes Alltagsleben gießen. Tausendfachen Segen atmen die Väterbräuche. Sie knüpfen das Familienband enger und weben goldene Sterne und Kränze in unser Dasein. Wir erkennen diesen Bräuchen keine Gesetzeskraft zu, aber wir wollen sie bewahren als Bereicherung und Erhöhung unseres Lebens. Darum kommt es uns nicht auf die restlose Erfüllung aller biblischen und tahnudischen Vorschriften an, sondern auf die Erfüllung unseres Lebens mit jüdischen Werten. Nicht die Quantität, sondern die Qualität der religiösen Leistung ist unser Ideal. Qualiätsjuden, nicht Quantitätsjuden sollen wir werden, das ist der Sinn und die Forderung des liberalen Judentums. Zionismus und Liberalismus. Von Dr. Felix G o 1 d m a n n - Leipzig. Im landläufigen Begriff des Zionismus fließen zwei Be* wegungen zusarnimen, und man sollte zwischen „Zionism u s" und „N a t i o n a 1 i s m u s£< strenger scheiden," als es heute meist geschieht. Ersterer zieht nur das heilige Land in Betracht, dessen Aufbau entweder auf Grund des religiösen Gebots oder sozialwirtschaftlicher Erwägungen erstrebt wird. Letzterer aber sucht die innerlichen. Beziehungen zwischen dem jüdischen Individuum und einerseits seiner Gemeinschaft andererseits seinem Niederlassungslande im Sinne nationalen Empfindens oder Abschlusses zu erklären und stellt somit für das Leben der Juden außerhalb Palästinas Sätze von großer Tragweite auf. Selbstverständlich hat auch der reine, nur auf das Land Israel gerichtete Zionismus einen nationalen Einschlag. Auch er sieht die Zukunft des Aufbauwerks in rein nationalen Formen, hier gewiß zwischen den Extremen des autonomen Judenstaats und der kulturellen Autonomie der Judensiedlung schwankend. Immerhin aber unterscheiden sich Zionismus und Nationalismus als reine Anschauungen durch das Kriterium der Frage des Golus. Für den Zionismus kommt es nur insoweit in Betracht, als es Kräftereservoir und Geldgeber für die Siedlung ist, der Nationalismus dagegen verlegt in die Diaspora den Schwerpunkt seines Wullens und betrachtet die Umgestaltung der politischen und nationalen Auffassung im Niederlassungslande als Kernpunkt der Judenfrage, . ganz gleichgültig, ob den Hoffnungen auf Verwirklichung im Lande Palästina die Erfüllung winkt oder nicht. Diese Bemerkung vorauszusenden ist darum nötig, weil der Liberalismus als geistige Erscheinung der "schärfste