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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. Seite 168

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 9 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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- 168 - zig^n Sohn dem gottlichen Wesen, das er zuerst erkannt hat, darbringt, aber nicht, damit er sterbe, sondern daimit er lebe im Dienste dieses Gottes, — Hannah, die Äfutter Samuels, welche den Spätgeborenen und Heißer sehnten sich vom Herzen reißt und ihn dem Dienste dessen weiht, der ihn ihr geschenkt hat. Nicht umsonst wird als höchstes und heiligstes Opfer "in den höchsten und heiligsten Stunden des Jahres diese Hingabe der Kinder an Gott, diese Hingabe der Kinder durch ihre Eltern, uns ins Gedächtnis zurückgerufen. Abraham Geiger nennt es Abrahams größte Tat, nicht daß er Gott seinen Sohn opfern wollte, sondern vielmehr, daß er von der Opferung Abstand nahm, der heiligen Stimme in sich gehorchend, die ihn daran gemahnte, daß nicht der Tod, sondern das Leben im Dienste einer Idee das größte und höchste ist, was der Mansch leisten kann. Wir haben jahrelang darüber klagen müssen, daß unsere jüdischen Eltern dieses Opfer nicht mehr gebracht haben. Viele von uns haben selbst sich den Platz im Heiligtum Gottes erringen müssen, da sie keine Mutter Hannah hatten, sie ins Heiligtum zu bringen. Immer wieder rufe ich meinen Freunden und Mitkämpfern zu: „Djie schönste Erkenntnis nützt nichts, die beste Rede fruchtet nichts, der schönste Leitartikel verpufft; -— schließt die Reihen und tretet zusamjmen zur Arbeit, zu der entsagungs-, aber segensreichen Arbeit, die eure Gemeinschaft euch abverfangt. Heute steht das deutsche Judentum vor der schwersten Katastrophe, die es je erlebt hat. In dem Augenblick, da nach langer geistiger Versandung in allen Lagern eine Wiederaufrichtung der Geister und Seelen einsetzt, droht materielle Not dem jungen Quell einen Damim entgegenzusetzen, den er unmöglich durchbrechen kann. Wenn das geistige und Gemütsleben der Juden heute zugrunde geht, weil unsere Lehrhäuser eingehen, unsere Schulen und wohltätigen An* stalten geschlossen werden müssen aus Manger an elendem Geld, dann können wir wirklich den Untergang des deutschen Judentums beklagen, von dem: jetzt ein schon früher viel genanntes Buch in neuer Gewandung ernst mahnend kündet: Und verhehlen wir es uns nicht: nicht dem kleinen Häuflein der Strenggläubigen, das in der Masse des deutschen Judentums verschwindet, nidit den Zionisten, die, wie sie selbst zugeben, nur eine kleine Minderheit der deutschen Juden darstellt, sondern den Zahllosen, die sich liberal nennen, wird man diesen Untergang zurechnen müssen. Jahre* lang haben sie sich mit der Idee von der Mission des Judentums, von dem Sieg des Guten in der Menschheit, trösten lassen und sich befriedigt die Lippen geleckt, wenn sie für ihr Nichtstun einen so schönen Wechsel auf die Zukunft

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