Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 167 — was auch der philosophisch nicht Geschulte, w&s auch der schlichte Mann des Volkes, was auch der Heranwachsende schon zu würdigen versteht. Wir dürfen aber nicht damit aufhören, daß wir befriedigt wieder einmal feststellen, wie herrliche und tiefsinnige Ideen aus dem Judentum erwachsen. Würde in den Festen lediglich ihr Lehrgehalt wirksam sein, so würden sie nicht diese V.olksfeste im idealsten Sinne sein, als welche sie uns seit. Jahrtausenden entgegentreten. Sie sind der lebendige Beweis dessen, daß eine jüdische Gemeinschaft lebt und am Werke ist. Wer daraus nicht die Folgerung zieht, sich zu dieser Gemeinschaft zu bekennen und in ihrem Dienste tätig zu sein, dem ist der Ruf des Schofars vergeblich erklungen» Gemeinschaftsgeist fordert Gemeinschaftshändeln heraus. Damit ist gewiß nicht gesagt, daß wir an ein politisches oder wirtschaftliches Endziel des jüdischen Volkes zu glauben haben. Es gibt keine unpolitischeren Feste als die ernsten Tage, zu denen wir uns jetzt rüsten. Aber daß diese Gemeinschaft, dieses Volk, in seiner einzigartigen Geschlossenheit erhalten werden muß, kann an diesen Tagen nicht scharf und nicht mahnend genug ausgesprochen werden. Wenn wir nichtnationale Juden nicht den Vorwurf auf uns laden "wollen, Juden am Gedankentrapez zu sein, theoretische Gebilde ohne Blut und Mark, dann müssen wir mit beiden Füßen uns auf die Erde stellen und überall da eingreifen, wo wir Gemeinschaftsarbeit im Dienste des Judentums -leisten können. Sie leisten wir gewiß auch, wenn wir als Peutsche in unserem Vaterlande aufbauen, was niedergerissen ist; aber wir haben eine doppelte Verpflichtung: aus zwei tiefen Schächten rinnt die Kraft unserer Gemeinschaft. Wie wir national und wirtschaftlich an dem Lande hängen und in dem Lande wurzeln, das uns geboren hat und zu dessen Staub wir einmal eingehen werden, so geht unsere Seele, wenn sie sich aufwärtsringt zu dem Ewigen in uns und über uns, die Bahn unserer Väter und Ur» väter, Israels Bahn, den Weg seiner Wanderung seit Jahrtausenden! Wer die Arbeit mit und an seinen jüdischen Brüdern vernachlässigt, der läßt den schönsten Schatz in seinem Innern ungehoben und wird nie zu den Feierstunden des Lebens gelangen, die nur der genießt, der alle Seiten seines Wesens erkannt und ausgenützt hat. Dieser Ruf geht insbesondere an die Jungen unter uns, und er muß imimer und im'mer wieder ertönen, bis er Gemeingut jedes Einzelnen geworden ist. Dreimal am Neujahrstage hören wir von dem Schicksal eines jüdischen Kindes. Wir sehen einen jüdischen Vater und eine jüdische Mutter ihr Kind Gott zum Opfer darbringen. Abraham, der seinen ein-