Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 137 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 137 — Aus Bibel und Schrifttum, Von Robert Hirschfeld. Nachdem wir uns nun einigermaßen über die Entstehung der Bibel unterrichtet haben, wollen wir die Frage behandeln: Wie ist der Text der Bibel überliefert und bis auf uns gebracht worden? Es ist selbstverständlich, daß ursprünglich alles handschriftlich überliefert worden ist. Damit sind aber auch die Fehlerquellen abgegeben, die bei jeder handschriftlichen Überlieferung auftreten müssen. So finden wir auch in der Bibel mancherlei Fehler, die auf diese Quellen zurückzuführen sind, ein weggelassenes Wort, ein doppelt geschriebenes Wort, Wörter, die ineinandergezogen sind oder ein Wort, das in zwei Teile zerlegt ist und dergleichen mehr. Hierbei spielt die Eigenart der hebräischen Schrift eine besondere Rolle, die viele Jahrhunderte ohne Vokale geschrieben, nur aus Konsonanten bestand. Es kam noch dazu, daß die Schreiber häufig ihre eigenen Bemerkungen in den Text machten und ihn so entstellten. Auf diese Weise ist uns der Wortlaut der Bibel nicht immer fehlerfrei überliefert. Wenn es z. B. I. Mose 37 heißt: „Dies ist die Geschichte Jacobs" und darauf die Erzählung von Joseph und seinen Brüdern beginnt, so ist es ganz klar, daß es sich hier um die Erzählung voii Jacobs Söhnen handelt. Oder wenn im Psalm 100 der Text so lautet, daß das Wort „lau" „nicht" bedeutet, so ergibt sich folgender Zusammenhang: „Er ist unser Gott und wir sind nicht sein Volk". Es ist ganz klar, daß das Wort „lau" hier anders geschrieben, „ihm" heißen muß, so daß der Text heißt: „Er ist unser Gott und i h m sind wir ein Volk", was wiederum eine Eigentümlichkeit der Uberlieferung des Textes ist; denn selbst, wenn man einen Fehler erkannt hat, so hat mian schon seit vielen Jahrhunderten aus ehrfürchtiger Scheu vor dem Bibel wort nicht gewagt, irgendwelche Änderungen vorzunehmen. Man begnügt sich damit, in einer Fußnote den richtigen Wortlaut anzugeben. Unsere ältesten Handschriften sind erst aus dem 9. nachchristlichen Jahrhundert und es gibt unter den verschiedenen Handschriften nur ganz verschwendend wenige Unterschiede. Der Grund hierfür ist folgender. Als im 8. Jahrundert der Streit zwischen Karäern und Rabbaniten entbrannte, wurden diese letzteren gezwungen, einen endgültigen Bibeltext festzulegen. Dies geschah unter Zuhilfenahme aller Uberlieferungen und Ausscheidung aller Unsicherheiten. Der Text wurde in seinem Wort-, sowie Lautbestand bis in jede Kleinigkeit festgelegt, so daß ein unbedingt gültiger, normaler