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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-07-01 · Heft 7 (Juli 1921) · p. Seite 136

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 7 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 136 (sequence 12)
Language
German
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— 136 — Das Ringen um.Gott. (Noch einige Gedanken zum aufgeworfenen Problem von K. N.). Mit wahrer Freude las ich in der vorigen Nummer der „Mitteilungen" den unter obigem Thema von Herrn Dr. Dienemann erschienenen Artikel. Dr. Dienemann sagt mit Recht, daß ein anderer die von mir gestellten Fragen niemals restlos beantworten kann. Ich würde auch niemals rein individuelle, gefühlsmäßige Fragen vor die Öffentlichkeit gezerrt haben. Meine Auffassung des Gottesbegriffes als Mensch ist gefestigt. Die Zweifel begannen erst dort, wo ich mich fragte: Kann ich mit meinen Grundsätzen Jude sein? — oder vielmehr muß ich es sein? Aus diesen Gedanken heraus stellte ich die Fragen. Dr. Schweitzer wird vielleicht, wenn er von diesem Gesichtspunkt aus den Brief betrachtet, nicht von vornherein behaupten können, daß völliges Verständnis für das, was Religion bedeutet, fehlt, allerdings unter der Voraussetzung, daß Religion nicht nur eine durch Geburt zufällig zusamimengeworfene Gemeinschaft bedeutet. Zu seinen Ausführungen bezüglich des Religionsersatzes möchte ich nur eins bemerken, daß andere aus meinen Zeilen, den Kosmopolitismus betreffend, vielleicht etwas mehr herausgelesen haben, als nur etwas rein politisches. Ich verstehe unter Kosmopolitismus nicht nur den Gedanken der Völkerversöhnung. Nun aber zurück zu Dienemann. Das, was ich also hören wollte, war die Stellungnahme des Rabbiners zum biblischen Gotte. Dr. Dienemann wirft mir insbesondere eine zu rationale, vernunftgemäße Auffassung des Problems vor. Ja, aber muß man nicht diesen Weg einschlagen, wenn man die Gebete verfolgt, die den Gottesdienst ausfüllen. Soll das Gebet wirklich das sein, was Dr. Dienemann davon sagt, ein mit sich selbst auseinandersetzen und mehr, dann müßten die Gebete in Form und vor allem im Inhalt von Grund auf geändert werden. So mancher wird hier sagen: „Wieder einer, der auszusetzen und zu mäkeln hat, ohne positive Vorschläge zu geben." Ich kann und will sie nicht geben, denn ich für meinen Teil brauche keine gedruckten Gebete. Ich, als Pantheist, reinige mich innerlich in der freien Natur oder wo es sonst sein mag besser, als im Tempel. Muß das Gebet aber sein, dann würde z. B. die Auffassung der Sabbatweihe des Josua Halevi in der vorigen Nummer der „Mitteilungen", nicht ohne weiteres beiseite zu schieben sein. Ich grüße Dich, Josua Halevi!

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