Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 129 — dem das Wie der Arbeit ist nach judischer Anschauung das Entscheidende! Dieser Gruppe von Gedanken steht eine andere Gedankenreihe gegenüber. * Es ist d i e s o z i a 1 e Gesetzgebüng,,die im Sabbatgebot begründet liegt. „Du sollst an demselben keinerlei Werk verrichten, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh, wie auch der Fremdling, der in deinen Toren weilt." Am Sabbat wird die Menschheit frei. Die Arbeit mußte sie trennen; das brachten nun einmal die Verhältnisse der Menschen mit sich. Auch hier zeigt sich der Optimismus des Judentums: die soziale Stufung der Menschen nimmt es hin und grübelt nicht lange darüber nach, wieso dies so gekommen ist; und es ist auch noch gar nicht zu einer skeptischen Anschauungen gelangt, die in dieser Ungleichheit der Menschen bei der Arbeit eine Ungerechtigkeit empfinden würde. Nein, es geht gleich an positive Arbeit und versucht lindernd einzugreifen. Sind die Menschen am Werktag nicht einander gleich, so sollen sie es jedenfalls am Feiertag sein. Was in diesem Gedanken Wunderbares liegt, das kann man schwer-, lieh schildern! Man sollte meinen, das spezifisch Menschliche könnte allein die Grundlage für eine Gleichstellung der Menschen bilden.. Man sollte meinen, daß der Gedanke, daß der Tod uns alle erfaßt, daß wir in unserer menschlichen Erkenntnis beschränkt sind, uns Menschen zusammenführen könnte. Und in der Tat, diese Gedanken geben den Menschen etwas Einigendes. Aber wieviel wunderbarer ist es, wenn die Gleichstellung der Menschen da angestrebt wird, wo die Menschen am besten, am reinsten sind. Wieviel schöner ist es, daß man gerade das Höchste, die Erhebung durch religiöse Konzentrierung, allen Menschen in gleicher Weise zugänglich machen will. Hier schon wieder schimmert ein Optimismüs durch: es ist die Uberzeugung, daß alle Menschen so beschaffen sind, daß sie der erhabensten Erlebnisse fähig sind. Die Geschichte und die Erfahrung lehrt uns, daß eigentlich jeder Mensch irgendwie oder irgendwann religiöse Stimmungen kennt. Freilich, die verhältnismäßig kurze Aufeinanderfolge der Sabbate wird es vielen nicht möglich machen, alle Sabbate einen wahren Feiertag zu begehen. Gerade denen, die es ernst mit dem Sabbat nehmen, die sich gegenüber wahr bleiben wollen, — und das ist sehr, sehr schwer I — wird der Sabbat immer eine gemahnende Forderung sein. Ihnen wird er stets die Mahnung zurufen, das Leben zu verinnerlichen, immer mehr von allem Kleinkram des täglichen Lebens zu lassen, damit sie alle Sabbate einen wahren Feiertag begehen können.