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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-07-01 · Heft 7 (Juli 1921) · p. Seite 128

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 7 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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— 128 — aus unserer Fleischlichkeit zur Geistigkeit, zum Ebenbilde Gottes uns emporheben. Nur Schaffen bringt uns wahres Menschentum. Nur Arbeit gibt uns innere Befriedigung,. Und so enthüllt sich der Fluch Gottes, den er über Adam und Eva ausspricht —: denn ein jeder von ihnen soll schaffen, jeder auf seine Art — als ein Segen; aber nicht nur .als ein Segen, der es durch die Geschichte der Menschheit geworden ist, sondern auch als ein Segen, der es von Anfang an gewesen ist und sogar im Gedanken. Gottes sein sollte. Aus diesem Fluch, wie aus dem Sabbatgebot spricht zu uns die Erkenntnis, daß Arbeit dem Wesen des Menschen entsprechend ist, daß sie allein ihm die Selbstzufriedenheit, den Seelenfrieden, geben kann. Diese innere Befriedigung, sie wird zu un* serm währen Feiertag. So gehören Arbeitstag und Feiertag aufs engste zusammen. Die Arbeit ist nicht ein notwendiges Übel, das man einmal mitnehmen muß, damit man den Sabbat recht genießen kann: Nur dann werden wir den wahren Sabbat begehen können, wenn wir uns der Arbeit ganz hingegeben haben. Und der Feiertag, er ist nicht ein Ausruhetag von der Last der Werktage, sondern er ist der Vollender der Arbeit, er bringt nur seelische Ruhe nach dem Schaffen der Werktage. Man hat in moderner Zeit nur allzu oft das Wort Rhythmus angewandt, an passenden und an unpassenden Stellen. Hier können wir wirklich von dem Rhythmus der Woche, der sechs Arbeitstage und des Feiertags, reden, von einem' Rhythmus, den im Altertum nur das Judentum empfunden hat. Nirgends sonst können wir in der Antike diesen ständigen Wechsel von Arbeitstagen und Feiertag entdecken. Dadurch gewinnt das Judentum in doppelter Hinsicht eine Bedeutung, die es weit über alle anderen Kul* turen hebt: die ständige Durchtränkung des Alltagslebens mit dem Höheren, Geistigen, die immer wiederkehrende Abwendung von der mehr weltlichen Arbeit zur vergeistigten Ruhe des Sabbats. Aber daneben ist auch die Arbeit in herrlicher Weise geadelt. Die Antike kannte diese Schätzung der Arbeit nicht. Gewiß von den alten Römern wissen wir, daß sie wie wenige Völker arbeitstüchtig gewesen sind." Aber sie verrichteten die niedrigere Arbeit, beispielsweise die Landarbeit, nur aus Gesichtspunkten der eigenen körperlichen Ertüchtigung, aus pädagogischen Rücksichten, um die Sklaven zur Arbeit anzufeuern, oder aus staatspolitischen Gründen. Im Judentum oder besser im Sabbat liegt eine ganz andere Auffassung von der Arbeit begründet. Hier kommt es gar nicht darauf an, ob man einer Beschäftigung mit den Staätsgeschäften, mit den Natur« und Geisteswissenschaften nachgeht, oder ob man das. Tagewerk eines einfachen Knechtes, eines Tagelöhners verrichtet. Nicht das Was, son-

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