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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-07-01 · Heft 7 (Juli 1921) · p. Seite 127

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 7 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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— 127 — Sabbat gipfelt. Da ersteht vor uns die Schöpfungsgeschichte als Symbol für die Befreiung der Natur aus dem Chaos und der Sabbat als Tag der Freiheit der Natur. Damit gewinnt der Sabbat eine lapidare Wucht wie kaum eine andere religiöse Idee. Diese Erkenntnis, daß nicht Willkür, nicht Gebundenheit, sondern Freiheit und Ordnung — diese beiden, die miteinander aufs engste verknüpft sind.— die Natur beherrschen, die Erkenntnis, daß die Natur ja alles so unendlich weise eingerichtet hat, sie konnte nur in tiefstem religiösen Erleben errungen werden. Es offenbart sich hier, die tiefeingewurzelte optimistische Weltanschuaung, die das Judentum kennzeichnet. Das Licht bildet ja den Auftakt zur Schöpf ung. Hell muß es sei n , damit Gott die Welt erschafft! Und so erstrahlt der Sabbat irü Lichtglanze der vollendeten Schöpfung. Ananke, die bittere Notwendigkeit, das dunkle Chaos, sie sind gebannt, und es herrscht die Ordnung des weisesten Gottes, der sich der Mensch ganz anvertrauen kann. Wie matt klingt gegenüber diesem Gedanken das "vielangewandte Wort: „Per aspera ad astra". Hier beim Sabbat ahnen auch wir etwas davon, daß die Welt innerlich etwas Freies ist, daß sie auf göttlichem Reginiente beruht. So steht der Sabbat als Vollendung der Schöpfung da. Aber wie ist der Weg zu diesem siebenten Tage, der Gott ruhend und feiernd darstellt? Wie gelingt es Gott, daß er sich zur Vollendung des Sabbats hindurchringt? Durch das Schaffen. Nicht durch Zufall, nicht aus Machtgelüsten einiger Göttergruppen, wie in anderen Mythologien es geschildert wird, ist die Welt zustande gekommen, nein Gott schuf die Welt vorsätzlich, er wollte die Welt schaffen. Dieser bewußte Wille am Anfange der Weltgeschichte hat allein schon etwas Großartiges an sich. Die Tat aber, die diesem Willen entsprang, brachte erst den gewaltigen Aufschwung. Um die Bedeutung dieses Momentes ganz würdigen zu können, müsseh wir die Betrachtung des Sabbats in seinem Verhältnis zur Natur, zum All verlassen und uns der Bedeutung des Sabbattages für die Menschen zuwenden. Wir sahen: Gott schuf die Welt und feierte dann. Auch der Mensch soll arbeiten und erst dann feiern. „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke verrichten; aber der siebente Tag ist ein Ruhetag dem Ewigen, deinem Gotte." Was Piaton im Symposion mit dem Eros nach rixxsiv iv %w xaAq) (mit der Sehnsucht nach dem Zeugen, dem Schaffen im Schönen) ausdrückt, das sagt uns in ähnlicher Weise der Sabbat. Schaffen, Schaffen; das ist der Sinn eures Lebens, Menschen! Nur Arbeit kann uns vorwärts bringen, Sichentwickeln, Sichverbessern, Hindurchringen

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