Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 126 — Stoffes förmlich* erdrückt^ wördei. Wir wollen le^iglieii den Kerngedanken des Sabbats zu erfassen Stichen. Da2u müssen wir tief in uns^ef! Inneres hirrabsteigen, müssen unsere innersten Gedanken- und Triebe prüfen, um den Sabbat verstehen zu können. * Wieso müssen wir unsere innersten Gedanken wachrufen und prüfen, damit wir den Sabbat begreifen können? Das liegt an der Struktur des Sabbats. Er gehört zu jenen Schöpfungen, die uns so natürlich sind, daß sie, uns selbstverständlich geworden sind. Wir gehen an den größten Wundern in der Natur und in der Geisteswelt oft achtlos vorüber. Sie erscheinen unserm Denkvermögen, unseren Sinnes wahr* nehmungen so entsprechend, daß wir von dem uns so Gewohnten gär nicht absehen können, um die Großartigkeit dieser natürlichen Wunder zu empfinden. Wie achtlos gehen wir an jedem wachsenden Baum, jedem blühenden Strauch vorüber! Es gibt viele Erklärungen für diese Erscheinung: wir haben den Kopf voller Gedanken, die Sinneswahrnehmungen, die auf uns einstürmien, sind so zahlreich, daß wir sie gar nicht ordentlich verarbeiten können. Aber in seltenen, doch dafür um so erhebenderen Stunden, da überkommt uns mit einem Male das Gefühl von der Großartigkeit dieser natürlichen Wunder. Dann sehen wir nicht rechts, nicht links, sondern nur das eine einzige Wunder. Aus unserm Inneren heraus erschauen wir das Großartige, das Ursprüngliche an diesem Stück Natur. Dieses Insichversunkensein muß uns auch heute beherrschen. Es ist eine unendlich schwere Aufgabe, die unser harrt, die Aufgabe, diese Stimmung in uns wach zu rufen, auf daß uns der Sabbat wieder zum Erlebnis werde! — Das 4. Gebot, so wie es uns im Buche Exodus entgegentritt, ist im Grunde zunächst ein Preis der Schöpfung: „Denn in 6 Tagen hat der Ewige den Himmiel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was darinnen ist, und am siebenten Tage hat er geruht; darum hat der Ewige den Sabbat ge* segnet und ihn geheiliget/' Hier zeigt sich schon eine Besonderheit des Judentums. Die Schöpfung an sich muß gefeiert werden. Wo' finden wir in griechischer, römischer oder germanischer Mythologie einen besondern Tag zur Verherrlichung der Schöpfung eingesezt? Gewiß, phantasiebegabte Völker und Kulturen haben Schöpfungsgeschichten in mannigfaltiger Weise gleich dem Judentum erdichtet. Aber wo finden wir die Verherrlichung der Schöpfung sonst? Die Schöpfung ist ein wunderbares Werk. Aber bei dieser Feststellung der*bloßen Tatsache bleibt es nicht. Es muß die Entwicklung der Schöpfung dargestellt werden, die im