Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 6 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 119 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 119 — insbesondere die Ministerien, wiederholt auf die Unzweckmäßigkeit dieser Praxis aufmerksam gemacht. Nun haben sich im Lager Stargard in der letzten Zeit die Verhältnisse ganz außerordentlich verschlechtert. Die Behandlung der Internierten von Seiten der Wachmannschaften spricht allen menschlichen Empfindungen Hohn. Das Arbeiterfürsorgeamt hat die Fälle untersucht und festgestellt, daß zahlreiche Internierte unbarmherzig geschlagen und mißhandelt werden. Die Internierten werden mit den gemeinsten Ausdrücken beschimpft. Infolge der Mißhandlungen, sowie der außerordentlich schlechten Unterbringung und der mangelhaften Verpflegung ist die Zahl der im Lazarett liegenden Kranken eine außerordentlich hohe. Der Verkehr der Internierten mit der Außenwelt unterliegt schweren Beschränkungen. Der Biefverkehr wird zensuriert. Die Klagen der Gefangenen werden nicht genügend beachtet. Vor einigen Tagen ist im Lager Stargard eine mit 80 Mann belegte Baracke abgebrannt. Da absolut keine Löschm;ittel zur Verfügung standen, die Wachmannschaften offenbar, entgegen ihrer Pflicht nicht rechtzeitig einsprangen, brannte die ganze Baracke nieder. Mehrere Internierte erlitten Brandwunden, darunter einer sehr schwer. Die Kleider der Internierten, deren Wertsachen und ihre Papiere sind verbrannt. Da die Baracke verschlossen war, sprangen die Internierten zum Fenster heraus. Sie wurden daraufhin von den Wachmannschaften beschimpft und zum Teil mit Kolbenschlägen mißhandelt. Am folgenden Tage beim Appell wurde den Internierten angedroht, daß sie, falls nochmals eine Baracke in Brand geraten würde, nicht mehr herausspringen dürften, sie sollten ruhig verbrennen. Das Arbeiterfürsorgeamt hat sofort an Ort und Stelle die Vorkömmnisse nachgeprüft und dann beim Ministerium schärfsten Einspruch erhoben. Das Ministerium des Innern teilt uns mit, daß es sofort eine strenge Untersuchung der Vorfälle eingeleitet hat. Ein höherer Beamter des Ministe» riums ist nach Stargard entsandt worden. Es muß anerkannt werden, daß das Ministerium demnach schnell eingreift. Wir erwarten nunmehr die unverzügliche Abstellung dieser unglaublichen Mißstände. Verbands- und Vereinsnachrichten. Vom Frankfurter Iii, Der Abschluß eines Vereinsjahres gibt Anlaß zu rück schauender Betrachtung.