Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 6 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 116 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 116 — Dein Weib, dein Kind, dein Knecht, dein Gast, Auf d&ß du nicht mühsam nach Atem ringst Und das Leben für Not und Bürde nimmst, Auf daß deine Kräfte sich wieder stärken Zu neuen Taten, zu frohen Werken." So bete ich mit meiner Familie jeden Sonnabend abend; denn mein Ruhetag ist der Sonntag, daher sein Rüstabend der Sonnabend abend. Erst hat mein Weib, gesegnet seien ihre Hände, die Lichte gezündet und dazu gesprochen: „Und Gott spracht Es werde Licht, und es ward Licht, Und es werde mehr Licht mit jedem neuen Tag!" „ Ich spreche vor Lichtern und Blumen obiges Sabbatgebet. Dann lese ich ein erhebendes deutsches Gedicht vor. Es folgt der Segensspruch über Brot und Wein, den die Familie, jeder einzeln, hebräisch und deutsch, nachspricht. „Ich danke dir, Herr, daß du uns zu essen und zu trinken gibst!" Dann wünschen wir uns eine gute Woche. Den Festabend beschließt schöne Hausmusik auf Klavier und Violine. — Und Sonntag vormittag gehe ich mit Frau und Kindern in Gottes freie Natur und plaudere mit ihnen, was der Himmel hoch und die Seele tief ist. Das ist mein Sabbat, und ich fühle mich mit ihm begnadet. Und wenn ihr diese 52 Sabbate im Jahre so feiert, dann wird eines Sabbats hinter euch die Tür aufgehen und hereintreten wird, Blumen im Haar und im Auge das Feuer der Jugend — das neue deutsche Judentum. — Und das schöne Kind wird sich auf euere Kniee setzen, euch die Wange streicheln und mit euch plaudern über andere jüdische Feste, und ob ihr sie feiern sollt und wie und wo: im Tempel, zu Hause oder draußen in Wald und Flur. — Umarmet die Prinzessin Sabbat! Lecho Daudi, Likras Kallo! Was tut uns not? Von Alfred Berger (Iii-Breslau). Seit langer Zeit ermutigen mich meine Freunde, mjich zu dieser Frage zu äußern und noch aufrichtigere Anhänger unserer Bewegung meinen, alles Geschreibsel bleibe doch zweck« los, solange in der ganzen Bewegung kein anderer Zug auf* komme, der es ihnen möglich mache, mitzuarbeiten und mitzuschaffen. Was die klugen Ratschläge der Vertreter dieser Richtung anbelangt, so sei vorweg betont, daß uns nichts so sehr schadet, als die Gleichgültigkeit in den eigenen Reihen