Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 6 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 107 — meine Augen, daß ich die Wunder schaue aus deiner Lehre", so darf man dies Wort gewissermaßen als Motto der ganzen Geschichte des Judentums seit dem babylonischen Exil voranstellen. In der Erforschung und Erkenntnis der Offenbarungslehre liegt neue Wahrheit und neue Offenbarung. Darum hat man auch der späteren Zeit das Recht beigelegt, neue religiöse Institutionen zu schaffen und für diese den gleichen Segensspruch wie für die biblischen Gebote eingeführt: „der uns geheiligt durch seine Gebote" usw. Das Judentum ruht, wie Güdemjann mit Recht ausführt, nicht nur auf der einmaligen Offenbarung, sondern ebenso sehr auf der Überlieferung, der Entwicklung. Den Sinn der Offenbarung festzuhalten, die Entwicklung zu fördern, in tiefer innerlicher Religiosität das Judentum lebendig und in Gegenwart und Zukunft wirkungsvoll zu erhalten, ist unsere Aufgabe. „An jeglichem Orte, 'Wo euch Glaube inwohnet, Überwölbt euch hell seine mauerne Krone: Wer glüht, sieht ewig Jerusalem." Das Ringen um Gott, Von Rabbiner Dr. Max Dienemann, Offenbach. Im Märzheft dieser Blätter stand ein offener Brief von Kurt Nöthmann, eine Antwort wird der Fragesteller ja sicher inzwischen schon erhalten haben, aber da der Brief mit der Erwartung schloß, daß auch andere die dort aufgeworfenen Fragen aufgreifen werden, möchte ich das tun; kann man auch nicht jede Frage die gestellt wird zumal in diesen Dingen intimsten persönlichen Erlebens beantworten, so darf doch der Eindruck nicht erst aufkommen, daß die liberalen Rabbiner an den Gewissensnöten der Jugend vorübergehen, nicht antworten können oder nicht antworten wollen. Gehört doch eine Gläubigkeit, ein festes Verhältnis zu Gott zur Voraussetzung des Judentums, und je mehr wir das Judentum als Religion und die Judenheit als Glaubensgemeinschaft 'an>- schauen, um so notwendiger ist ja die Erörterung dieses Themas. Daß die Jugend ringt, daß sie um religiöse Probleme, um Gott kämpft, daß sie . sich Gedanken macht, ist ja schon ein gewaltiger Fortschritt gegenüber der Zeit vor 30 oder 50 Jahren; wer fragt, wer aus einem inneren Kampf heraus zweifelt, der kommt irgendwann einmal zu einem festen, positiven Verhältnis, nur der Gedankenlose und; Gleichgültige ist der Verlorene, wermit den Dingen ringt, wie Jakob mit dem Engel, der läßt sie nicht, es sei denn, er hätte ihren Segen empfangen. Kurt Nöthmann muß nur, wenn er