Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-06-01 · Heft 6 (Juni 1921) · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 6 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2550626-2550646-2550652--416-2551144
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 106 — Zum Wochenfeste. Von Rabbiner Dr. Vogelstein. In enger innerer Verbindung mit dem Pessachfeste ist das Fest der Offenbarung. Was die Befreiung aus ägyptischer Sklaverei begonnen hatte, das ist in der Wüste am Sinai vollendet worden. Es ist ein wundervolles Wort in der Berufung Moses, daß es der Beweis seiner göttlichen Sendung sein solle, daß das Volk, das er aus Ägypten führen würde, an diesem Berge Gott dienen werde. Deutlicher kann kaum ausgedrückt werden, daß nicht die äußere Befreiung allein, ja auch nur vorzugsweise Sinn und Zweck der ägyptischen Erlösung war, sondern die Berufung Israels zum Träger ewiger Wahrheit, zum Kämpfer für Gott und seine Offenbarung. Grandios ist die Schilderung des Vorgangs in der heil. Schrift, und unsere alten Lehrer haben das gewaltige Ereignis, durch das dasjenige, was Mose offenbar geworden war, zur Religion eines ganzen Volkes wurde, in zahllosen Er= Zählungen und Erklärungen gedeutet und eindringlich darzustellen gesucht. Offen vor aller Welt, so sagen sie, ist Israel die Lehre gegeben worden in der Wüste, wo jeder Zutritt hatte. In allen siebzig Sprachen ist jedes Wort der Offenbarung verkündet worden, damit jeder es hätte hören können. Ja, so sagt eine Deutung, die Offenbarung ist anderen Völkern zuerst angeboten worden, aber alle haben aus diesem oder jenem Grunde die Übernähme der Verpflichtung abgelehnt; nur Israel.habe geantwortet: Wir wollen es tun und wollen hören. Und ein anderer Midrasch sagt, Gott habe Bürgen verlangt, ehe er Israel die Lehre gab. Aber alle Bürgen, die man ihm anbot, habe er als unzureichend abgewiesen. Da bot Israel seine Kinder als Bürgen an und erhielt die Offenbarung. In solchen Dichtungen bekundet sich die grundlegende Bedeutung der Offenbarung für das Judentum. Die Kinder als Bürgen — das weist, auf die hohe Verpflichtung der älteren Generation hin, die Jugend zur lebendigen Arbeit an den Aufgaben des Judentums zu erziehen, das Judentum so aus* zugestalten, daß die Jugend seelisch davon erfaßt wird, und auf die Pflicht der Jugend, das große Vätererbe nicht zu verschleudern, sondern es selbst zu erwerben und in aller Treue zu hüten, um es für Mitwelt und Nachwelt nutzbar zu machen Der Vorgang der Offenbarung selbst wird für alle Zeit unerklärt und" unerklärbar sein. Es ist die Eingebung, die dem religiösen Genie geworden ist. Aber die Offenbarung ist nicht ein einmaliges geschichtliches Ereignis, sondern eine stetig fortwirkende Kraft. Wenn der Psalmist betet: „öffne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.