Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 5 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 97 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 97 — Vom Büchertisch. Jakob Wassermann. Mein Weg als Deutscher und Jude. Berlin (S. Fischer) 1921. ■ In unseren Tagen, wo das Judentum von allen Seiten angegriffen wird, wo es fast schlimmer um uns bestellt ist wie in der Zeit des finstersten Mittelalters, und die Wogen des Antisemitismus mächtiger denn je gegen uns anstürmen und uns zu verschlingen drohen, wo überall Feinde ihre starke Faust wider uns erheben, mehren sich die Scharen derer, die sich öffentlich zu unserer uraltheiligen Religion bekennen. Nun schwören wieder viele zu unseren Fahnen, die sich erst jetzt daran erinnern, daß sie als Juden geboren und erzogen sind; sie komlmen zu uns, nicht weil sie stolz auf unseren Väterglauben sind, nein, weil sie zu feige und mutlos sind, um den vielfachen Anfeindungen allein Stand zu halten. Wahrlich, ein trauriges Zeichen unserer Zeitt Da ist es nun doppelt begrüßenswert, wenn wir Männer haben, die von sich heraus^ wenn auch unter dem Gefühl eines gewissen Zwanges stehend, ihr Bekenntnis offen dar» legen, nicht etwa gehässig und ausfallend, wie dies heutzutage leider allzu häufig geschieht, - nein, sachlich, und mit ruhiger Überlegung. Diese Ruhe und Vornehmheit in der Darstellung seiner Beziehungen zu der . Religion des alten Israel tritt uns in der Bekenntnisschrift des bedeutenden Romanschriftstellers Jakob Wassermann entgegen. Da ist nichts von Polemik gegen irgend einen anderen Glauben zu spüren, überall zeigt sich der Adel in der Gesinnung des Dichters. Einer uralten jüdischen Familie entstammend — seine Vorfahren befanden sich unter den aus Spanien vertriebenen " Juden, die nach Franken flüchteten und dort allmählich zu# Ruhm und Ansehen gelangten — erblickte er das Licht der Welt zu einer Zeit, wo sich die Gleichstellung der Juden mit ihren christlichen Mitbürgern bereits vollzogen hatte. In Fürth, einer Stadt des sonnigen Frankenlandes, stand seine Wiege; in dieser Stadt gab es damals eine zahlreiche jüdische Gemeinde. Mit kindlicher Rührung spricht 'er von seinen Eltern, von dem; Vater, der nur mit Mühe und Not sich und die Seinen ernähren konnte, und von seiner früh verstorbenen Mutter, die die Natur mit einer außerordentlichen Schönheit ausgestattet hatte und deren schwermütiges und grüble* risches Wesen in dem Kind^ einen großen und tiefen Eindruck hinterließ. Schon fr,üh erwacht in dem Knaben, der