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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-05-01 · Heft 5 (Mai 1921) · p. Seite 96

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 5 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 96 (sequence 12)
Language
German
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— 96 — es stets mit Mißfallen aufgenommen, wenn sie in den „Mitteilungen" und „Rundschreiben" des Verbandes lasen, daß dieser in Westdeutschland große Veranstaltungen abhielt, dagegen an Ostpreußen nur mit Geldforderungen herantrat. Der Hauptgrund für die Absage an den Verband, aber bildet die Tatsache, daß das Prinzip der Neutralität in Ostpreußen sich als überholt erwiesen hat. Die zionistisch gesinnte Jugend unterbindet in den neutralen Vereinen jegliches fruchtbare Arbeiten und sucht die einzelnen Mitglieder für sich zu gewinnen. Regelmäßig führt das Beobachten der Neutralität dahin, daß über aktuelle Tagesfragen nicht debattiert werden darf, so daß notwendigerweise das Interesse der jüdischen Jugend in derartigen Vereinen erlahmen muß. Wie im übrigen die Neutralität durchgeführt wird, geht daraus hervor, daß z. B. das Auslegen der Zeitschrift „Im Deutschen Reich" oder die Behandlung von Angelegenheiten, welche den Centraiverein betreffen, als der Neutralität zuwiderlaufend betrachtet werden, während gegen ein Aufliegen der „Jüdischen Rundschau" bei den Vereinsabenden keine Einwendungen erhoben werden. Dazu kommt, daß die Verbandsleitung offenbar nicht den Mut und" die Macht hat, und wie sie offen erklärt, auch nicht gewillt ist, gegen diese zionistischen, nicht neutralen Bestrebungen energisch aufzutreten. So hat z. B. die Redaktion der Verbandsmitteilungen es mehrfach abgelehnt, Artikel aufzunehmen, welche von Verbandsmitgliedern, die auf dem Boden des Centraivereins stehen, eingesandt wurden und welche den Standpunkt der deutsch gesinnten Juden auch einmal zum Ausdruck bringen wollten, während sie zionistenfreundlichen Äußerungen weit öfter ihre Spalten öffnete. In den meisten ostpreußischen Orten gibt es zionistische Wanderbünde und Jugendorganisationen, während die nichtzionistische Jugend sich bisher vorwiegend in den neutralen Vereinen zusammenfand. Dies war ein Zustand, welcher auf die Dauer unhaltbar war und welcher nun dazu geführt hat, daß die nichtzionistische Jugend sich art die Kameraden oder an Jugendorganisationen des Central»Vereins angeschlossen hatte. Die ostpreußischen Jugendvereine haben sich bereits zu einer neuen Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden. Sie sind überzeugt, daß die jüdischen Jugendvereine auf dem Wege klarer Betonung ihrer „deutschen und jüdischen Gesinnung" fruchtbringendere Arbeit für das deutsche Judentum leisten werden, und daß sie ihre Mitglieder nur auf die* sem Wege zu Persönlichkeiten erziehen können, welche nicht den Gegenwartsfragen des deutschen Judentums ängstlich ausweichen, sondern klar und fest ihre Meinung vertreten,

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