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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-05-01 · Heft 5 (Mai 1921) · p. Seite 88

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 5 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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- 88 — gemeinschaft und ihrem Ansehen bei den Andersgläubigen bisher genützt oder geschadet? Wir haben bereits oben bemerkt, datl unsere religiösen, kulturellen und geschichtlichen Vorstellungen andere sind als diejenigen unserer Umgebung. Das ist keine Behauptung, deren Richtigkeit erst zu erweisen ist, sondern eine jedem Glaubensgenossen bekannte Tatsache. Zu erweisen ist nur, wie ungerechtfertigt der Vorwurf unserer jüdisch-völkischen Gegner ist, daß wir diese Vorstellungen durch ihre Assimilierung mit denjenigen unserer Umgebung völlig aufgegeben haben und nunmehr nur in den Vorstellungen der letzteren leben. Hierzu ist zunächst zu bemerken, daß gerade wegen der Naturgemäßheit einer assoziativen und unmittelbaren Verschmelzung verschiedener Vorstellungen zu einem Ganzen eine Assimilierung seit den ältesten Zeiten in der Geschichte unseres Volkes nachweisbar ist und daß demnach unsere Stammväter, Propheten, Könige und Volksführer in der nachexilischen Zeit und in der Diaspora Assimilanten gewesen sind. — Abraham assimilierte sich den Philistern, als er seine Frau Sara dem Könige als seine Schwester bezeichnete. Jakob assimilierte sich den Bewohnern von Ur Kasdim, als er seinen Frauen die Mitnahme von Hausgöttern erlaubte. . Selbst Moses war im Sinne unserer Gegner Assimilant, als er die Tochter des heidnischen Jethro zu seiner Gemahlin erhob. Und die vierhundertjährige ägyptische Sklaverei führte eine so innige Assimilierung der Israeliten mit ihrem Herrenvolke herbei, daß sie, die doch schon ,,den Ejwigen" durch ihre Lehrer Moses und Aron kennen gelernt hatten, oft genug auf ihrer Wüstenwanderung sehnsüchtig ausriefen: „Wären* wir doch in Ägypten geblieben!" Unzweifelhaft haben auch die israelitischen Eroberer des Landes Kanaan unter Führung Josuas sich mit den überwundenen Völkern des Landes assimiliert und zwar so innig, daß manche Geschichtsforscher die Israe* liten und die „Hettiter" als ein und dasselbe Volk bezeichnet haben. Auch die vierhundertjährige Richterzeit, die eine lange Kriegszeit mit kurzen Friedensunterbrechungen darstellt, hat religiöse, kulturelle und geschichtliche Vorstelluii3 gen der jüdischen Seele mit derjenigen der fremden Völker so innig assimiliert, daß die eigenen Vorstellungen oft völlig aufgegeben wurden. In der Königszeit sehen wir gleichfalls die Verschmelzung besonders der religiösen und kulturellen Vorstellungen mit denjenigen der Nachbarvölker. Salomon trieb Handel und Schiffahrt wie die Phönizier, er berief zum Bau des größten Heiligtums, des Tempels in Jerusalem, ausländische Künstler, am Hofe der Könige von Juda und

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