Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 5 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 87 — oder mit anderen Wforten: i. Wie weit ist eine Assimilation der Juden mit ihrer andersgläubigen Umigebung berechtigt? 2. Haben die jüdischen Assimilanten ihrer Glaubensgemeinschaft und ihrem Ansehen bei den Andersgläubigen bisher genützt oder geschadet?* r 1. Wieweit ist eine Assimilation der Juden mit ihrer andersgläubigen Umjgebung berechtigt? Die Assimilierung der Vorstellungen in der jüdischen Seele mit den Vorstellungen in den Seelen unserer Umigebung führt zu neuen Begriffen, die neuerworbenen Begriffe finden ihren Ausdruck in der Gesinnung und in der Handlung. Solange die neuerworbenen Begriffe nicht durch den Willen nach außen hrn sichtbar werden, bleibt es bei der Gesinnung, im Bunde mit unserem Willens vermögen werden sie zu Handlungen, Taten und Werken. Die Berechtigung zu einer Assimiliation hängt also nicht immer allein von unserem Willen ab, genau so wie die Assimilierung der Naturerscheinungen und Naturkräfte, sondern sie ist durch unseren ständigen Verkehr von der Schule durch den Beruf, die Kulturbestrebungen und endlich durch die gemeinsame Volkswirtschaft gegeben. Wenn also die Gegner der Assimilierung unsere Willensfreiheit als Hort im Kampfe gegen die Assimilierung und als ihr größtes Hindernis bezeichnen, so leugnen sie entweder die natürlichen Vorgänge oder sie haben keine Kenntnis von ihnen und wir müssen die Formel von der Freihaltung des „jüdischen Volkstums" als bloße Phrase und das Wort „Assimilierung" als Schlagwort bezeichnen. Ein Teil der Gegner, ja oft die Führer selbst, handeln nicht nach dieser von ihnen aufgestellten For« mel, indem sie in ihrer andersgläubigen Umgebung, deren Seele doch von ganz anderen religiösen, geschichtlichen und kulturellen Vorstellungen erfüllt ist, als die jüdische Seele, Dienste leisten und Ämter bekleiden, die doch gerade diese anders gearteten Vorstellungen zu Begriffen, Gesinnung und Handlung entwickeln sollen. Wenn man aber diese „sonderbaren Schwärmer" auf den Widerspruch zwischen ihrer Lehre und ihrem Leben hinweist, so schelten sie uns Denunzianten oder sie behaupten, man könne nationaljüdisch orientiert und zugleich ein guter Deutscher sein. Das Unmöglichste hat sich, aber in jüngster Zeit ein Führer der Nationaljuden geleistet, der erklärte, dem jüdisch-völkischen Problem sei überhaupt nicht mit der Logik beizukommen. — So bekämpft man die Assimilierung und prägt das Scheltwort „Assimilanten", mit welchem man seine Verachtung, gegen einen großen Teil seiner Glaubensgenossen zum Ausdruck bringen will. 2. Haben die jüdischen Assimilanten ihrer . Glaubens-