Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 80 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 80 — sagt: es ist dn rituelles Gebot. Während des Bestandes des Tempels trug man das Pessachopfer selbst auf, Man schenkt den zweiten Becher ein. Nun richtet der Sohn die Fragen an den Vater über den Sinn dieser sonderbaren Gebräuche. Und wenn dem Söhn das Verständnis hierzu fehlt, so leitet ihn der Vater dazu an. Warum ist diese Nacht vor allen andern Nächt£rt! ausgezeichnet. An allen Abenden essen wir gesäuertes und ungesäuertes Brot, an diesem Abende nur ungesäuertes. An allen Abenden essen wir alle Arten Kräuter, an diesem Abend nur bittere Kräuter. An allen Abenden essen wir gebratenes, gesottenes und gekochtes Fleisch, an diesem Abend nur gebratenes. An allen Abenden tauchen wir die' Kräuter nur einmal ein, an diesem Abend zweimal. Dem Verständnis des Sohnes entsprechend, belehrt ihn der Väter. Er beginnt mit der Erzählung der Schmach und schließt mit der Verherrlichung der Befreiung aus dem Joche der Ägypter und erklärt den ganzen Abschnitt (Dt. 26, 5—9) beginnend: „Ein herumirrender Aramäer war mein Urahn" bis ans Ende. Rabban Gamaliel pflegte zu sagen: Wer über diese drei Dinge nicht spricht am Pessachabend, hat seine Pflicht nicht erfüllt. Diese Dinge sind Pessachlamm, ungesäuertes Brot und bittere Kräuter. Das Pessachlamm (Überschreitungsopfer), weil überschritten (verschont) hat der Herr die Häuser unserer Väter in Ägypten, die Mazzah, ungesäuertes Brot, weil unsere Väter aus Ägypten; die bitteren Kräuter, weil die Ägypter das Leben unserer Väter in Ägypten verbittert haben. In jedem Zeitalter ist jeder Israelit verpflichtet, es so anzusehen, als ob £r selbst aus Ägypten ausgezogen wäre, wie es geschrieben steht (Exod, 13,8): Und du sollst verkünden an jenem Tage deinem Sohne folgendes: Dies beobachten wir, weil mir der Ewige also tat, als ich auszog aus Ägypten. Darum .sind wir verpflichtet zu danken, zu preisen, zu loben, zu rühmen, zu erheben, zu verherrlichen, zu segnen, zu lobpreisen unc\ zu benedeien, den, der unsern Vätern und uns all diese Wunder getan hat: Er hat uns von Sklaverei zu Freiheit, von Kummer zu Freude, von Knechtschaft zu Erlösung geführt. So wollen wir ihm denn Halleluja singen. Wie weit rezitiert man das Hallel (Ps. 113—118)? Nach der Schule Schamtmais bis „die Mutter der Kinder frohlockt" (Ps. 113, 9), nach der Schule Hillels bis „den Kieselstein in einen Wasserquell" (Ps. 114, 8), und man schließt dann mit einem Segensspruch auf die Erlösung. Nach R. Tarfon lautet der Spruch: „Gelobt bist du Ewiger, unser Gott, Herr der Welt, der uns und unsere Vorfahren aus Ägypten erlöst hat", ohne den üblichen Schluß, nach R. Akiba lautet der Schluß: „So möge der Ewige, unser Gott und der Gott unserer Väter uns erleben lassen andere Fest- und Feiertage,