Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 77 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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": - ' iH - " ' " Judentums schaffen.* Dieser Gedanke wird wohl }r+ in der Theorie — auch von vielen Nichtzionisten gebilligt werden. Was aber die meisten von dem Anschluß an den Zionismus abhält, sind die Folgen, <iie aus der Gründung eines jüdischen Nationalstaates entstehen würden. Daß alle Juden nach Palästina gehen können, ist unmöglich, was ja auch die Zionisten zugeben. Was würde nun mit den übrigen Juden, besonders mit uns deutschen Juden geschehen? — Wir werden jetzt als Angehörige einer fremden Religion von einem großen Teile unserer christlichen Mitbürger angefeindet und nicht für voll angesehen. Wenn nun der jüdische Staat proklamiert wird, so hören wir mit einem Male auf, Deutsche zu sein; wir sind dann Ausländer und werden als solche behandelt werden. Welcher Deutsche wird dann, wenn es nicht ünumigänglich notwendig ist, bei einem Juden kaufen, wenn er sich sagt, daß das Geld dadurch in den Besitz eiiier änderen Nation übergeht. Außerdem kann ja Deutschland eine so beträchtliche Anzähl Ausländer nicht in seinem Gebiete dulden. Heraus aus Deutschland kann aber, außer dem vorerwähnten Grunde, eine größere Anzahl der deutschen Juden auch, nicht, denn dann würden die Antisemiten wieder zu hetzen anfangen: „Jetzt, wo es Deutschland schlecht geht, verlassen die Juden es, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen und sich vor den Steuern zu drücken, die wir dann auch noch tragen müssen." — So würde für die Zurückbleibenden eine noch viel schlimmere Zeit anbrechen, als sie schon jetzt für uns Juden besteht. — Würde aber dieser — dann nationale — Antisemitismus nicht berechtigt sein? Wir haben lange den Schutz der deutschen Gesetze und deutsche Kultur genossen, dürfen wir dann jetzt Deutschland in seiner Not verlassen? Zu diesen Gesichtspunkten kommt noch die — wenigstens vorläufige — Undurchführbarkeit des Zionistischen Gedankens. Wohl hat England im türkischen Friedensvertrag den Juden eine Heimstätte in Palästina zugesprochen. Was aber bedeutet Heimstätte? Dürfen wir es mit Nationalstaat identifizieren? Welcher denkende Mensch glaubt denn heute, daß England so uneigennützig sein wird, den Juden Palästina zu schenken? Zum mindesten würde Palästina eine englische Kolonie oder ein englischer Protektionsstaat werden, denn der Völkerbund hat keine Macht, besonders nicht über England. Und was für einen Vorteil hätten wir davon, aus Deutschen englische Untertanen zu werden? — Sicher ein gutes Mittel für Kapitalschieber! Außerdem besteht noch heute der größte Teil der Einwohnerschaft Palästinas aus Arabern. Wäre es nicht eine Ungerechtigkeit diese zu verdrängen, ähnlich wie wenn Frankreich das Rheinland behalten würde? Noch viele andere Gründe gibt es, die einer praktischen Durchführung des zionistischen Programms entgegen sind.