Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 76 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber sind das alles nicht Fragen lediglich unserer Zeit, und wird ihre Lösung nicht ausschließlich von diesem jugendgemeinschaftlichen, nicht aber vom jüdischen Standpunkt au» in Angriff genommen, und wurzelt die Gründlage all dieses Strebens nicht viel mehr in den Anschauungen der Jugend, die li m uns lebt als in unserer Mitte, als in unserem Judentum? So ist diese Einstellung jüdisch vollkommen neutral, weil vom Wesen und den Problemen des Judentums nicht berührt und nicht befruchtet. Sie ist eine Folge der Assimilation und gegen sie als solchen wenden sich diese Ausführungen nicht. Im Gegenteil, an und für sich betrachtet, ist sie in sehr vielem zu begrüßen. Aber ich stelle die Frage: Wozu dies in einem jüdischen Jugendverein? Wenn schon die Ziele sowohl als auch die Quellen von denen der nicht jüdischen Jugend keine Unterscheidung haben, wozu dann jüdisch wandern, jüdisch turnen, jüdisch singen (deutsche Lieder nota bene), im jüdischen .Kreise diskutieren? Wozu? Weil das Judentum in dieser Zeit der Stellungnahme in einem neutralen Verein keine Stätte zu finden vermag, und jener einen Inhalt doch haben soll. Sie sehen, verehrtes Fräulein, Neutralität kann auch in der heutigen Zeit nur bedeuten: Verein von Juden, nicht aber: jüdischer Verein. Um ein solcher sein zu können, muß m&n Stellung nehmen, sei es wie auch immer. Dann erst finden wir uns zusammen zu einer jüdischen Weltanschauung, zu einer Lebensbetrachtung, die nicht die Reaktion auf Zeitströmungen ist, sondern die in der Vergangenheit wurzelt, in der Gegenwart stark und frei ist und in «die Zukunft hinein wirkt. * Ihr sehr ergebener Erwin Baer. Der Zionismus in Theorie und Praxis. Die aktuellste Frage im Judentum ist wohl heute für jeden, der überhaupt noch Anspruch auf den Namen „Jude" erhebt, seine- Stellung zum Zionismus. <Man mußdabei theoretischen und praktischen Zionismus unterscheiden, Zionismus als Idee uüd Bewegung. Als Idee hat der Zionismus sehr viel Gutes und Schönes an sich. Es ist eine humane und eines Juden und der jüdischen Religion würdige Aufgabe, unseren bedrängten * Glaubensgenossen im. Osten zu h'elfen, sie aus den engen und finsteren Ghettos zu erlösen und ihnen eine gesicherte, ruhige und friedliche Heimstätte zu schaffen. Der Zionismus aber geht weiter. Er will das alte jüdische Reich wiederaufrichten, er will wieder einen Zentralpunkt des