Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 67 — denn auch die ältere Generation in der Wüste zugrunde gehen, so blieb die Hoffnung lebendig für das kommende Geschlecht. Wenn jemals, so brauchen wir heute diese unerschütterliche Festigkeit, dieses zielbewußte Vorwärtsstreben, brauchen wir begründete Zuversicht auf die kommende Generation, die Jugend. Die sittlichen Ideale scheinen durch den Krieg und seine Folgen, durch die allgemeine Verrohung und Verwilderung im öffentlichen wie imi privaten Leben vernichtet zu sein. Sie sind es für denjenigen, der diese Ideale nicht als die bestimmende und zwingende Lebensmacht in sich trägt. Das Leben wäre heute nicht wert, gelebt zu werden, wenn wir nicht in uns selbst Größeres trügen, als das Leben der Wirklichkeit uns geben und nehmen kann. Dieses Große gibt uns das Judentum, wenn wir es recht erfassen, es nicht kleinlich als eine Summe von Formen ansehen, sondern uns von seinen tiefsten Gedanken erfassen lassen. So halten wir uns selbst aufrecht und erhalten das Judentum lebendig rnd trotz aller Unveränderlichkeit seines innersten Wesens zeitgemäß. So muß unsere Jugend Ziel und Weg erkennen. Die Losung heißt: vorwärts! Liberalismus, Von Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal - Berlin. Es gibt Begriffe, die man der Menschheit nicht oft und eindringlich genug vor Augen halten kann, auf daß sie sehend werde. Ebenso wie recht viele das Wort Leben im Munde führen, ohne sich dabei das Geringste zu denken, wird auch der Begriff Liberalismus in sündhafter Weise profaniert und völlig verkannt. Neulich fragte ich jemand, worin sein Liberalismus bestehe, worauf er nur mit ,,Kennermiene" prompt antwortete: „In meiner Toleranz". Ein anderer identifizierte Liberalismus mit Indifferentismus. Mit solch hohlen Redensarten und falschen Argumenten wollen die vermeintlichen Anhänger unserer Sache den Ideeninhalt des liberalen Judentums erfüllen. Das ist Wasser auf die Mühle unserer Gegner gegossen, die unser Werk nicht erst zu zerstören brauchen, da Unkenntnis in unseren eigenen Reihen schon fein systematisch diese Vernichtungsarbeit leistet. Wieder einmal sei es allen ans Herz gelegt: Liberalismus ist kein Bolschewismus. Liberalismus ist nicht Verneinung und Zerstörung, sondern Bejahung und Aufbauen. — Schon das Thoragesetz scheint in weiser Vorausahnung den erfrischenden Lufthauch eines liberalen Judentums erkannt zu haben, wenn es in das dunkle Heiligtum, das „ner tamid", jenes „ewige Licht" hineinstellen läßt, das uns das Forschen symbolisiert (Exodus