Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 100% known words query
- IRI
…/2550626-2550646-2550649--366-2551091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 59 — ab und auch nicht mit zu vielen Absätzen, weil sonst Käufer oder Verkäufer geschädigt werden. Uber alles dieses sprach R. Jochanan b. Sakkai: Wehe mir, wenn ich es öffentlich lehr£, und wehe mir, wenn ich es nicht tue. Wenn ich es sage, so könnten die Betrüger daraus lernen, und wenn ich es nicht sage, so könnten sie glauben, die Gelehrten kennen ihre Schliche nicht. Man fragte: Wie hat er es gemacht R. Samuel b. R. Isaak sprach: Er hat es gesagt und zwar mit bezug auf Hosea 14, 10: Denn gerade sind die Wege des Ewigen, die Frommen gehen auf ihnen und die Frevler straucheln darauf. Verbands- und Vereinsnachrichten Aus dem Breslauer Iii. Gerhard Bettsack-Breslau. Lieber Vereinsbruder! Sie sollen nicht immer Grund zur Klage haben, daß wir Breslauer unseren Mitgliedern außerhalb Breslaus keinerlei besondere Berichte übermitteln, sind Sie doch mit Recht begierig, von unserer Tätigkeit zu hören, sei es über unsere Versammlungen, sei es von unserer Einwirkung auf die jüdische Gemeinde und die jüdische Öffentlichkeit. Wenn Sie wieder nach Breslau kommen, so wird es sich sicher noch lohnen, unsere Vereinsabende zu besuchen. Sind auch viele von denen nicht mehr anwesend, die früher die Diskussionen interessant gestalteten, denken Sie an Herrn Dr. Schweitzer, Stoll und andere, aber dennoch bieten die Abende genug, um am Schluß das Bewußtsein zu hinterlassen : es ist doch keine verlorene Stunde gewesen, die man im Iii zugebracht hat. Wie Sie sich denken können, ist das Hauptinteresse der Mitglieder auf die Vorträge des Herrn Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein gerichtet und dies nicht ohne Grund. Denn, wenn auch derjenige, der hofft, hier in einen Schwall von schönen Redensarten unterzutauchen, nicht auf seine Rechnung kommt, so ist es um so erfreulicher zu sehen, wie Herr Dr. Vogelstein versucht, mit der Waffe der Erkenntnis, die verbunden ist nicht mit der Kälte des Forschers, sondern mit seiner warmen Liebe für die ethischen Ideale des Judentums, die zahlreichen Hörer in „die Grundlagen des Judentums" einzuführen. Dabei kommt der liberale Gedanke nicht zu kurz, denn der Redner versäumt nicht, darauf hinzuweisen, wie die liberale Auffassung vom Judentum erst die richtige Auswirkung der jüdischen Ethik auf die Juden von heute ermöglicht.