Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 58 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 58 — Welt, d. h. alles Guten und Nützlichen, und einen bösen Gott als dessen Gegensatz. Der Mensch steht zwischen den beiden Welten und trägt durch die Unterstützung der einen zur Schädigung der anderen bei. Darum soll der gute Mensch sich von allem Unreinen fern halten, sowohl in geistiger wie in körperlicher Beziehung. Er soll daher auch die sogenannten unreinen Tiere nicht berühren oder gar essen. So erklärt es sich, daß wir gerade nach der babylonischen Gefangenschaft Gesetze über Reinheit und Unreinheit und solche über zum Genuß erlaubte oder verbotene Tiere vorfinden. Damit soll nicht gesagt sein, daß diese Gesetze erst während der Gefangenschaft entstanden sind. Vielmehr ist es sehr wohl möglich, daß die Berührung mit den Anschauungen der Perser die Juden in ihren Gebräuchen und Gesetzen nur bestärkt haben. Ähnlich verhält es sich mit dem Sabbath. Dieser war sicher bei den Juden schon lange ein Ruhetag. Aber durch die Beobachtung, daß die Babylonier, wenigstens wahrscheinlich, jeden 7. Tag aus abergläubischer Furcht als Ruhetag begingen, hat zur schärferen Betonung des jüdischen Sabbaths als eines Tages der frohen Ruhe geführt. So brachten die aus dem Exil Heimkehrenden einen großen Teil unserer Bibel mit ins heilige Land. Außer dem schon erwähnten waren wohl auch viele Psalmen neu entstanden und auch eine neue Gesetzsammlung den beiden vorhandenen angefügt worden, die hauptsächlich Opfer-, Priester- und Reinheitsgesetze enthielt. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, daß auch die Schriften der Propheten, die am Anfang und Ende der Gefangenschaft gesprochen hatten, Ezechiel und der sogenannte 2. Jesaia, die Sammlung der heiligen Schriften vervollständigten. Aus dem Talmud. Baba Bathra 89. (Es ist an dieser Stelle von verschiedenen geschäftlichen Gebräuchen beim Getreide verkauf die Rede. Wenn das Maß zu voll geschüttet ist, so entfernt man das aufgehäufte Getreide mit einem Gegenstande, den wir Abstreicher nennen wollen.) Die Weisen lehrten: Man mache den Abstreicher nicht aus einem Kürbisstengel, weil er zu leicht ist, auch nicht aus Metall, weil es zu schwer ist, vielmehr mache man ihn aus Oliven-, Nußbaum- oder ähnlichem Holz. Man mache ihn nicht auf der einen Seite dick und 'auf der anderen dünn. Man streiche das aufgehäufte Getreide nicht mit einem Male