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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-03-01 · Heft 3 (März 1921) · p. Seite 60

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 3 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 60 (sequence 16)
Language
German
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— 60 — Die Systematik, die in den Vorträgen von Herrn Dr. Vogelstein verfolgt wird, ist auch in der gesamten diesjährigen Vereinstätigkeit zu verspüren. Das letztemal erwähnte ich bereits die Vortragsreihe von Herrn Rabbiner Dr. Sänger, der sich der Mühe unterzieht, die bedauerlicherweise oft recht mangelhaften Kenntnisse unserer Mitglieder vom Inhalt der Gebete und des Gebetbuches — ist hieran nicht oft der früher mitunter unpädagogisch geleitete Religionsunterricht mit schuld? — auszufüllen, was einem lebhaft empfundenen Bedürfnis unserer Mitglieder entspricht; hierunter fallen auch die Vorträge von Herrn Bayer, der in mehreren Abschnitten die Entwicklung im Judentum von altesher aufzuzeigen bemüht ist. Mit Spannung erwartet man die angekündigten Referate von Herrn Brienitzer, die die politische Lage der deutschen Juden beleuchten werden, insbesondere unsere Stellung zu der antisemitischen Hochflut, die noch immer im Wachsen begriffen ist. Hier werden die Ansichten oft auseinandergehen, aber wrohl alle werden sich zu der Auffassung bekennen, daß kein antisemitischer Angriff die Liebe zur deutschen Heimat erschüttern kann, daß Deutschsein und Judentum zwei Werte sind, die sich nicht ausschließen, sondern ergänzen. Begeisterung erweckte der Vortrag unseres Ehrenvorsitzenden Dr. Albert Wolff, jetzt Rabbiner in Dresden, der die Jugend aufforderte, für den Idealismus einzutreten, welcher allein eine seelische Gesundung des Menschen ermöglicht. Auf eins möchte ich noch eingehen, was ohne Verschulden ein Schmerzenskind der Vereinstätigkeit bedeutet. Hat auch der verhältnismäßig schwache Besuch des von Herrn Dr. Schiff liebenswürdiger Weise abgehaltenen Kursus zur Einführung in die Propheten eine größere Intensität der Kursusteilnehmer zur Folge, so bleibt es immerhin bedauerlich, daß viel zu viele unserer Mitglieder für diesen Kursus sehr wenig Anteilnahme bezeigen. Ist diese Veranstaltung doch so bedeutungsvoll für das Verständnis des liberalen Judentums, das seine Hauptideen zum größten Teil dem prophetischen Judentum entnommen hat. Der Raummangel verbietet mir, heute ausführlicher die Arbeitsweise und den Inhalt des Kursus zu skizzieren, ich will dies zu einem anderen Zeitpunkt nachholen, niemand wird es aber bereuen, wenn er auch so das nächstemal diesen Kursus besuchen wird. Trotz der manchmal sich äußernden Passivität einzelner Mitglieder ist aber doch der Gesamtwille unerschütterlich darauf gerichtet, dem Gedanken des liberalen Judentums die größtmöglichste Ausbreitung zu verschaffen, woran auch un-

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