Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 57 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 57 — jetzt im Exodus Kap. 21—23 finden. Eine zweite solche Sammlung ist im jetzigen Deuteronomium Kap. 16—20 enthalten, die im Jahre 621 vorhanden war. (Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, daß wir mit dieser Meinung den Wert dieser Gesetze durchaus nicht herabsetzen. Man bedenke nur, auf welch niedriger Stufe der Kultur sich um die angegebenen Zeiten z. B. Griechen und Römer befunden haben.) Von ungefähr 760 an sind die Schriften unserer großen Propheten entstanden und wahrscheinlich auch ein Teil der Lieder und Hymnen, die sich jetzt im Buche der Psalmen finden, und ein Teil der Weisheitsprüche und Lebensregeln, die in demi jetzigen Buche der Sprüche stehen. Als die Israeliten unter den starken Einfluß der assyrischbabylonischen Kultur kamen, wurden die bei ihnen vorhandenen Schriften von ihr stark beeinflußt. Ob dies schon vor oder während der babylonischen Gefangenschaft geschehen ist, läßt sich nicht mit Bestimmtheit nachweisen. Es ist wahrscheinlich, daß dieser Einfluß sehr lange gewirkt hat. Er führte auch dazu, daß spätestens während der Gefangenschaft eine Sammlung und Überarbeitung des vorhandenen Schrifttums vorgenommen wurde. In dieser Zeit ist wohl auch die Sintflutgeschichte, die der babylonischen Sage sehr ähnlich ist, die Überlieferung von den zehn so sehr alt gewordenen Menschen und endlich auch die beiden Schöpfungsgeschichten unter dem Einfluß der Umgebung entstanden. Vielleicht hat man sich damit gegen die offenbare Überlegenheit der Babylonier wehren und beweisen wollen, daß auch die jüdische Überlieferung auf ein hohes Alter Anspruch erheben könnte. Dabei ist aber wohl zu beachten, daß es sich nicht um ein einfaches Abschreiben oder Nacherzählen der babylonischen Stoffe handelt. Diese sind vielmehr im Sinne der jüdisch-religiösen Auffassung überarbeitet worden. Man vergleiche z. B. die Schöpfungsgeschichten. In der babylonischen wird nach einem harten Kampfe der Hauptgott Marduk Sieger über die Weltschlange und danach Schöpfer der Welt. In der Bibel herrscht der Wille des einen Gottes. In der babylonischen Sintflutgeschichte soll die Menschheit untergehen, weil die Götter ihrer überdrüssig sind, und der eine wird gerettet, weil er der Liebling eines Gottes ist. In der Bibel trifft die Flut die sündige Menschheit als Strafe, und die Rettung Noahs erfolgt wegen seines sittlichen Lebenswandels. Während der babylonischen Gefangenschaft dringen auch parsistische Anschauungen ins Judentum. Der Dualismus der Perser lehrte einen guten Gott als Schöpfer einer guten