Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 56 — reif, um auch nur einigermaßen eine Auslese herauszusuchen, die sie auf die richtige Bahn führen könnte. Wie man Säuglingen die Speise in möglichst ausgesuchter und verkleinerter Art'vorsetzt, so müssen auch die geistigen Säuglinge behandelt werden. Also merkt Euch nochmals: wir Liberalen können kein Dogma aufstellen, das auch nur zwei Menschen genügen könnte, denn jeder ist frei und muß sich selbst seine Begriffe erringen (darum kann ich Euch keine Lektüre empfehlen). Ihr könnt ja eifrig die Schriften anderer Kämpfer lesen, wie sie uns unsere Mitteilung reichlich gibt. Aber daß Ihr zu demselben Resultat kommt, ist nicht das Ideal, denn jeder Mensch ist anders geartet, und eines jeden Weg führt anders zu dem uns alle einenden Ziel, dem Übermenschen. Damit schließe ich meine Epistel und rufe Euch recht viel Glück zum Erfolg zu. Aus Bibel und Schrifttum, Von Robert Hirschfeld. Wie haben wir uns nun die Entstehung und Sammlung unserer heiligen Schriften vorzustellen? Nach dem oben Gesagten sind wohl die in den geschichtlichen Büchern enthaltenen poetischen Stücke die ältesten der Bibel. Zu ihnen gehört vor allen das Lied der Debora, das der prosaischen Darstellung der Deborageschichte wohl als Muster gedient hat. Das „Büch der Redlichen", das an einigen Stellen erwähnt wird (z. B. bei der Schlacht bei Gibeon Josua 10, 12. 13.) hat sicher eine Sammlung solcher poetischen Darstellungen enthalten, die später in Prosa verwandelt worden sind. Am Hofe der Könige von Israel und Juda sind Annalen geschrieben worden, die alle Einzelheiten über die Regierung der verschiedenen Könige berichteten. Die Bücher Samuel und Könige, vielleicht auch die beiden Bücher der Chronik enthalten Auszüge daraus. Als Israel auf der Höhe seiner Macht stand, wurden auch die Sagen aus der Vorzeit des Volkes, die Geschichten der Stammväter niedergeschrieben. Außer diesen geschichtlichen Schriften gab es auch Samümlungen von Gesetzen. Wann die ältesten Gesetze niedergeschrieben sind, wissen wir nicht. Es hindert uns aber nichts, ihre Entstehung auf Mose zurückzuführen, der ja überall als der erste Führer des israelitischen Volkes genannt wird. Sicher ist, daß zur Zeit des Königs Josaphat um 850 v. Chr. die älteste Gesetzsammlung vorhanden war, die wir