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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-03-01 · Heft 3 (März 1921) · p. Seite 49

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 3 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 49 (sequence 5)
Language
German
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— 49 — Es fragt sich jedoch, ob das verwunderlich ist? Ob das nicht gerade naturnotwendig so sein muß! Der Versuch, der im letzten Jahrzehnt gemacht wurde, und der in den „Richtlinien" seinen lebendigsten Ausdruck gefunden hat, den jüdischen Liberalismus zu einer Bewegung zu machen, ist gescheitert. Mußte scheitern! Und warum? Weil es dem Wesen des jüdischen Liberalismus widerspricht, Bewegung zu sein! Eine Bewegung ist immer kollektiver Natur, eine Bewegung ist an ein neues, zu schaffendes Ziel gebunden, eine Bewegung ist — und das ist entscheidend — Ausfluß eines Massenwillens, ist Störung des Gleichgewichts, strebt nach neuem Gleichgewicht, ist Entladung aufgespeicherter Energie. Gustav Landauer sagt einmal: Eine Bewegung „ist die Willenstendenz geeinter Menschen, um eijnes Ideales willen ein Neues zu schaffen." Soll ich noch breiter ausführen, daß der jüdische Liberalismus all diese Elemente nicht in sich trägt? Das erübrigt sich! Aber daß er sie nicht in sich tragen kann, das muß ich noch beweisen. Wer nur einen Augenblick über das Wort „jüdischer Liberalismus" nachdenkt und sich das eben Gesagte überlegt, dem muß auffallen, daß unser'Ziel ein individualistisches ist, daß wir in der allseitigen Entfaltung der Einzelpersönlichkeit das letzte Ziel unseres Strebens sehen. Und das ist unser einziges Ziel, denn was wir sonst noch fordern, ist — die Abwehr schaltet ja hier aus — lediglich eine Betrachtungsweise, ist eine philosophische Anschauung, die den Begriff der Entwicklung auf die jüdische Religion überträgt. Daraus ergibt sich: Ein Gebilde, dessen Wesensinhalt ein individualistischer ist, kann als Arbeitsmethode nur die individualistische Methode, die Beeinflussung von Mensch zu Mensch, nie aber eine kollektivistische Arbeitsweise, die auf die Heranziehung von Massen abzielt, annehmen. Wird das verkannt — und das ist verkannt worden! — so muß die „Bewegung" an ihrer inneren Unmöglichkeit scheitern. Damit glaube ich die augenscheinliche Tatsache erklärt zu haben, warum das liberale Judentum als „Bewegung" zu Grunde gehen mußte. Ich weiß, daß sich gegen meine Beweisführung viele Gegengründe anführen lassen. Ich könnte jetzt schon versuchen, mich antikritisch zu sichern. Ich tue das nicht, um einer so bitter notwendigen Diskussion über dieses Thema freien Raum zu lassen. Der jüdische Liberalismus trägt den Todeskeim in sich. Nur die Jugend kann ihn retten! Aber nicht d i e Jugend, die wir in unseren Kreisen haben!

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