Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 48 — Glaube kann'und wird den Streit der Völker übejrdauern, kann der zerbrochenen Menschheit die Hoffnung auf das Gute wiedergeben. Diesen Glauben an das Gute für alle Zeiten zu erhalten trotz Unrecht, Krieg und Untergang, ist Aufgabe des Judentums, ist sein ewiges Schicksal. Eine alte Uberlieferung sagt, in jenen Tagen, da die Juden über ihren Feind siegten, habe man eine Münze geprägt, auf deren einer Seite die Worte standen: „Sack und Asche", während die Gegenseite die Inschrift trug: „eine goldene Krone". Diese Münze ist wie ein Symbol des Judentums. Trotz Leid und Verfolgung trägt Israel eine goldene Krone. Auch wenn man es schmäht und verfolgt, erhebt es stolz sein Haupt, weil darüber ist die Krone des Glaubens. Purim erinnert uns an Israels ewiges Schicksal, das kleinste und am meisten verfolgte unter den Völkern zu sein. Purim zeigt uns den Sieg der Wahrheit über Lüge und feige Hinterlist. Purim mahnt uns an Israels Beruf, Träger des Glaubens zu sein. Diese Mahnung unseres Festes steht für uns Junge gebieterisch über unserer Arbeit. Wir wollen uns nicht allzu sehr erregen über das Kampfgeschrei unserer Feinde. Es wird eines Tages verstummen, und das Judentum und seine Ideen werden siegreich bleiben. An die Zukunft glaubend, wollen wir für die Zukunft arbeiten; denn das ist der Sinn des Judentums, wie wir es wollen, und der Blick in die Zukunft darf allein den Weg der Jugend bestimmen. Die innere Krise im jüdischen Liberalismus, Von Walter Isaac (Iii-Frankfurt a. M.). Die Liegnitzer Tagung hat von den Erfolgen der Arbeit der Iiis ein optimistisches Bild entworfen. Sehr mit Unrecht! Wenn ich, der ich ja selbst die Ehre hatte, in Liegnitz darüber zu sprechen, auch nicht leugnen will, daß die Arbeit im kleinen Kreise oft von Erfolg begleitet war, so darf doch nicht die innere Krise übersehen werden, in der die jüdisch-liberale Jugendbewegung heute schwebt. Der jüdische Liberalismus ist auf einem Punkt der Stagnation angekommen. Die Indifferenz hat weite Kreise erfaßt, und der geringe Zuwachs an religiösem Interesse, den wir heute unter uns verspüren, ist mehr dem Zug der Zeit, als den Erfolgen der Arbeit des jüdischen Liberalismus zuzuschreiben. Das frisch pulsierende Leben, die rege Arbeitsamkeit und die quellende, lebendige Kraft, die das Wesen einer Bewegung ausmachen, sind bei uns nicht zu finden.