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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-03-01 · Heft 3 (März 1921) · p. Seite 47

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 3 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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— 47 — an ihren Mut und ihren Sieg. Nicht der vorangehende Festtag der Esther, sondern Purim, der Tag der Freude, ist im jüdischen Bewußtsein und Leben der/bedeutendere Tag geworden. Und darum erinnert uns das Fest nicht allein an die Schattenseiten unseres jüdischen Daseins. Es wäre unjüdisch, nicht vor allem das Licht zu sehen. Das Judentum ist der lebendige Beweis dafür, daß im Leben zwar die Mächte der Finsternis eine gewaltige Rolle spielen, daß aber letzten Endes doch das Recht und das Gute siegen über Unrecht und Gewalt. Der Midrasch erzählt uns: Es war in der Zeit, in der der grausame Befehl des Königs ergangen war, alle Juden zu vernichten. Hart lastete das Bewußtsein der schweren Gefahr auf den Gemütern. Von Sorge erfüllt war vor allem Mordechai. Der Schlaf floh seine Nächte. Unruhevoll wälzte er sich auf seinem Lager. Nur für Minuten überwältigte ihn ein kurzer Schlaf. Da hatte er in solchem Schlummer einmal eine sonderbare Erscheinung: Gewaltiges Getöse und Schrecken über der ganzen Erde und ihren Bewohnern. Zwei gewaltige Drachen stürmen brüllend gegeneinander, durch ihre Stimme werden alle Völker aufgeschreckt. Und siehe, zwischen ihnen ein kleines Volk, und alle erheben sich gegen dieses kleine Volk, um es von der Erde zu vernichten. Dunkel ist über die Welt gebreitet, dem kleinen Volke wird bange, es schreit zum Herrn; mit immer stärkerem Grimme kämpfen die Drachen gegeneinander. Da entspringt zwischen den Drachen eine kleine Quelle und trennt die Ringenden. Und die Quelle wird immer stärker, wird schließlich zum gewaltigen Meere, alles unter sich bedeckend. Da erglänzt die Sonne über der Erde, ließ die ganze Welt in ihrem Licht erstrahlen. Und das kleine Volk wurde erhöht, und die Stolzen wurden erniedrigt. Friede, Wahrheit und Eintracht herrschte auf der Erde. So der Traum Mordechais. Vielleicht ist*s auch nur ein Traum, wenn wir glauben, daß das [Traumbild sich bewahrheiten werde in der Welt. Aber von diesem Traum, in diesem Glauben lebt das Judentum. Wir glauben an den Sieg des Lichtes über die Finsternis. Es ist unsere weltgeschichtliche Aufgabe, diesem Glauben zu leben. Schwände dieser Glaube an den Sieg des Guten aus der Welt, die Welt könnte nicht mehr bestehen, sie müßte zu Grunde gehen. Wie kein Volk auf Erden hat das Judentum Schlimmes erlebt, (erleidet es Bedrückung und Verfolgung. Aber dieses Volk lebt, lebt im Glauben an den Sieg des Guten, lebt allein durch diesen Glauben. Erlitte das Judentum keine Verfolgung, ginge es ihm immer gut, sein Glaube wäre nichts besonderes, es fehlte ihm das Ubernatürliche, das Göttliche. Nur ein solcher

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