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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-03-01 · Heft 3 (März 1921) · p. Seite 46

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 3 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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— 46 — heute Fremldengesetze, und der Erfolg ist der gleiche. Und selbst die Gründe, die man gegen die Juden ins Feld führt, sind in Jahrtausenden die gleichen geblieben. Man lese die Anklage des Haman, vergleiche die judenfeindlichen Argumente zu allen Zeiten, es sind immer die gleichen Phrasen. Seit Haman hat der Antisemitismus keinen originellen Gedanken mehr hervorgebracht. Und selbst die Kampfesweise hat sich nicht viel geändert. Aus persönlichen Gründen wird einer zum Judenfeind. Nun schimpft er und häuft Anklage auf Anklage, und jede Dummheit findet einen Dümmeren, der an sie glaubt. Gewiß ist die Mehrzahl der heutigen Antisemiten aus ehrlichem Patriotismus ins judenfeindliche Lager gegangen. Aber wären sie mit etwas mehr Verstand begnadet, sie würden andere Wege gehen, als die, die ihnen von den antisemitischen Wortführern gezeigt werden. Aber nicht allein in der Feindschaft zeigen sich die gleichen Gründe und Methoden, auch in der Bekämpfung können wir aus früheren Zeiten lernen. Der Antisemitismus bricht zusammen, wo er nicht das geeignete Objekt findet. Nur wo sich Juden alles gefallen lassen, kann der Antisemitismus Erfolge erringen. Denn Mut gehört ja nicht zu den hervorragendsten Tugenden der Antisemiten. Haman zeigt sich schließlich als erbärmlicher Feigling. Und die Methoden der modernen Hamans jünger, ob sie sich hinter Penta-Tull verstecken oder durch einen sonstigen falschen Namen ihren urteutschen Bekennermut bewähren, ob sie in wilden Horden als Schreier in Versammlungen auftreten oder im Schutze der dunklen Nacht mit namenlosen Zetteln Wände beschmieren, sie sind anders als früher, den Verhältnissen angepaßt; aber es ist nichts unbedingt Neues; feig waren die Antisemiten schon zu allen Zeiten; und darum war es immer schwer, ihnen beizukommen. Denn sie höhnten und schimpften, mordeten auch einmal, wußten sich aber immer der Satisfaktion zu entziehen. Wir sind es eigentlich nicht gewohnt, uns in diesen Blättern allzuviel mit den Judengegnern zu befassen. Wir haben Besseres zu tun. Aber Purim bietet uns die Gelegenheit, auch einmal darüber zu sprechen. Und da wir in unseren Tagen wieder einmal den Antisemitismus besonders stark empfinden, tut es Not, darauf hinzuweisen, daß wir diese Sorge auch nicht allzu ernst nehmen dürfen. Es liegt schließlich an uns, ob wir uns unterkriegen lassen. Wenn wir uns als Opfer behandeln lassen, werden wir die Opfer sein; aber wir haben dann schließlich auch kein besseres Schicksal verdient. Und Purim erinnert uns ja nicht nur an Haman und seine Nachfolger, sondern auch an Esther und Mordechai,

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