Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Nr. 3 März 1921 I Jahrg. HI Inhalt: Purim. — Die innere Krise im jüdischen Liberalismus. — Wege und Ziele unserer Arbeit. — Offener Brief an Sr. Ehrwürden Herrn Rab. Dr. Wolf, Dresden. — Brief an einen neu gegründeten „Iii". — Aus Bibel und Schrifttum. — Verbands- und Vereinsnachrichten. — Spenderliste. Purim. Von Dr. A 1 b e r t W o 1 f, Dresden. Es ist eine alte wissenschaftliche Streitfrage, ob das Estherbuch ein geschichtliches Ereignis erzählt. Aber gleichgültig, ob Geschichte oder Dichtung, das Buch ist uns lieb, weil es in einem tieferen Sinne geschichtlich ist, als es sonst die Bücher der Geschichte zu sein pflegen. Wir wissen, daß jedes Zeitalter einen Harnan hervorgebracht hat, und daß zu allen Zeiten die böse Absicht des Feindes zu Schanden wurde vor dem Mut und der Überzeugungstreue jüdischer Männer und Frauen. Wir befinden uns wieder in einer Zeit, in der die Hamans das große Wort führen. Vielleicht sind wir geneigt, die Hamans von heute besonders ernst zu nehmen, weil immer die Menschen selbst empfundene Not für die größte halten. Aber wie der Geist der Judengegner stets der gleiche war, so waren auch seine Wirkungen immer ähnliche. -Gewiß, in alter Zeit genügte der Federstrich eines Despoten, um ein ganzes Volk mit dem Untergang* zu bedrohen, und so offenkundig barbarisch darf man in unseren Tagen nicht mehr sein. Und wenn es noch Regierungen gibt, die stillschweigend dulden, oder auch im Geheimen selbst den Auftrag gegeben haben, daß man die Juden ihres Landes totschlägt, nun, dann ist das eben in östlichen Ländern ein begreiflicher Rückfall in frühere Unkultur. Im moralischen Westen schweigt man am besten davon; denn sonst könnte irgend ein Dummer auf den Gedanken kommen, von einer Gesamtverantwortlichkeit der Menschen zu sprechen oder gar der Meinung sein, ein Völkerbund brauche sich zwar nicht in die inneren Verhältnisse eines Landes einzumischen, dürfe aber doch nicht übersehen, daß man Tausende und Abertausende von Menschen vergewaltigt und hinschlachtet. Und wenn man in früheren Jahrhunderten die Juden in Massen austrieb, so schafft man