Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Date
- 1921-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2550626-2550646-2550648--338-2551062- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 32 — der edle, aufopferungsvolle Landesvater, der seinen Kindern Namen gibt, die mit dem Gottesnamen zusammengesetzt sind (Ahasjah, Joram, Athaljah). Nach der anderen Richtung verfolgt er die Propheten des Ewigen und ist so ungefähr der schlechteste aller Menschen. Von König Ahas von Juda wird ohne Scheu erzählt, daß er im Tempel einen Altar errichten ließ nach dem Vorbilde eines Heiligen, den er in Damaskus gesehen hatte. Er ist also offenbar der Herr im Tempel. Dagegen wird der Ausbruch des Aussatzes bei seinem Großvater Usia damit begründet, daß dieser sonst so gute König es gewagt hat, gegen den Willen der Priesterschaft den Tempel zu betreten. Die Geschichte der einzelnen Könige beginnt regelmäßig mit einer Kritik ,,er tat was gut bezw. was böse in den Augen des Ewigen war4*. Der Tadel bezw. das Lob werden aber immer vom Standpunkt einer späteren Auffassung von Gottes Willen ausgesprochen, so wie sie sich in den Kreisen der Priester zu Jerusalem allmählich bildete. Zu diesen drei Geschichtsquellen, der nordisraelitischen, südisraelitischen und priesterlichen kam später noch eine vierte, die hauptsächlich zwei Lehren vertrat, nämlich i. daß nur der Tempel in Jerusalem als das wahre Heiligtum anzusehen sei und 2. daß Lohn und Strafe in äußerlicher Weise auf das moralische Verhalten des Menschen folge. „Wenn ihr alle meine Gebote beobachten wrerdet, so wird eurem Lande Regen und damit Nahrung zuteil werden. Wenn ihr aber abfallet . . ., so wird kein Regen fallen und ihr werdet aus dem Lande verschwinden." Von diesen beiden Ansichten aus sind alle Bücher der Bibel, die dafür in betracht kamen, überarbeitet worden. So unwesentlich es auch ist, wollen wir noch hinzufügen, daß die moderne Wissenschaft die vier Quellenschriften nennt: die jahvistische, die elohistische, den Priesterkodex und die deuteronomistische. Die beiden ersten Bezeichnungen rühren von den Gottesnamen her, die in den Quellen hauptsächlich gebraucht werden (Jahve der Ewige, Elohim Gott), die vierte Quelle heißt nach dem 5. Teil des Pentateuchs. dem Deuteronomium, in dem sie zuerst und am deutlichsten auftritt. Wir wollen nicht versäumen, noch folgendes zu dieser Theorie von den Quellenschriften zu bemerken. Man darf sich die Verarbeitung der Quellen nicht so vorstellen, als ob der Redaktor der Bibel sie rein mechanisch neben und durcheinander abgeschrieben habe, so daß man in jedem einzelnen Satze der Bibel womöglich mehrere Quellen unterscheiden könnte. Diesen Eindruck muß der Laie bekommen, wenn er etwa „die heilige Schrift des alten Testaments von E. Kautzsch, III. Auflage" in dlV Hände bekommt, oder wenn man die so-