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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. Seite 30

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Date
1921-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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— 30 — verloren im Laufe der Zeit, oder er wird wiedeirerrungen durch die Verlegung auf den Sonntag. Ich weiß sehr wohl, daß das nicht leicht ist, und daß sich uns, die wir an der Verwirklichung dieses Zieles arbeiten wollen, ungeheure Schwierigkeiten in den Weg stellen werden. Und am meisten Schwierigkeiten werden wohl die Indifferenten machen; sagte doch erst neulich jemand, der nur noch zu den hohen Feiertagen in ein Gotteshaus geht, zu mir, er würde seine Kinder nicht in einen Sonntagsgottesdienst schicken; wie überall so werden auch hier die Indifferenten die Schlimmsten sein. Und dennoch müssen wir darauf hinarbeiten, daß wenigstens in einer Synagoge ein regelmäßiger Sonnabendabend- und Sonntagsgottesdienst abgehalten wird. Hier winkt unserem Iii eine herrliche Aufgabe, sich wirklich einmal aktiv am religiösen Leben der Gemeinde zu beteiligen. Gewiß wird die Zahl der Synagogenbesucher zunächst nicht sehr groß sein; aber wenn sie selbst nicht größer ist als am Sonnabend, haben wir ein Recht, den Sonntagsgottesdienst zu fordern. Gewiß liegt eine schwere Erziehungsarbeit vor uns; Umlernen ist immer schwer. Wir Jungen aber haben den festen, heiligen Willen dazu. Gibt man uns nur die Möglichkeit, so wird es uns gelingen, den Sonntag für uns zum jüdischen Sabbath zu gestalten. Ellen Littmann, Iii-Berlin. Aus Bibel und Schrifttum, Von Robert Hi.rschfeld. Nachdem wir in den vorhergehenden Artikeln unsere grundsätzliche Stellung zur Bibel dargelegt haben, wollen wir nun versuchen zu zeigen, wie die Bibel entstanden ist. Der Vergleich mit anderen Völkern zeigt, daß die älteste Literatur die poetische ist. Die Heldentaten aus Kriegen begeisterten zum „Singen und Sagen", und der Sänger, der beim Festmahl die großen Taten aus der Vergangenheit pries, war ein gerngesehener Gast. Seine Lieder gingen allmählich in den festen Besitz des Volkes über und bewahrten die Erinnerung an die großen Taten aus den großen Zeiten. Später wurden diese Lieder zu Erzählungen umgeformt und bildeten so die älteste Geschichte eines Volkes. So oder ähnlich haben wir uns die Vorgänge bei unseren Vorfahren, den Israeliten, vorzustellen. Und ebenso wie bei anderen Völkern in verschiedenen Gegenden derselbe Stoff verschiedenartig über? liefert wurde, so klang gewiß auch bei den Israeliten ein Lied oder eine Geschichte anders, wenn sie im Norden oder Süden gesungen und gesagt wurden. Die Stämme berichteten natür-

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