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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. Seite 29

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Date
1921-02-01
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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— 29 - und erzogen werden. Diese Erziehungsarbeit kann heute nur noch der Gottesdienst leisten. Deshalb müssen wir auf unsere Jugend in dieser Richtung wirken, zum regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes müssen wir sie erziehen. Wie sollen wir das aber machen, wenn wir keinen Gottesdienst an dem Tage haben, der der Jugend — und auch dem Alter — zur freien Verfügung steht? Man wende mir nicht ein, eine Stunde am Freitagabend genüge auch. Erstens bezweifle ich, daß sich der größte Teil der Jugend von seinen Pflichten frei machen kann, zweitens sehe ich nicht ein, warum ich mich mit einer Sabbathstunde begnügen soll, wenn ich eine ganzen Tag Sabbath haben kann. — Welch wirksames Mittel gäben wir den Lehrern mit einem Sonntagsgottesdienst in die Hand! Ein Lehrer, der überhaupt irgendeinen Einfluß auf seine Schüler hat, kann mit Leichtigkeit diese am Sonntag vormittag um sich sammeln, um gemeinsam mit ihnen in die Synagoge zu gehen. Die Schwierigkeiten, die sich dem Lehrer am Freitagabend bietenwerden am Sonntagvormittag erheblich geringer sein. Hätte nur ein einziger Lehrer unserer Religionsschule zu uns sagen können: „am Sonntagvormittag wollen wir in die Synagoge gehen", ich glaube, keine meiner Mitschülerinnen wäre zurückgeblieben. Und warum sträubt man sich denn — auch in liberalen Kreisen — so gegen einen regelmäßigen Sonntagsgottesdienst? Ist es nicht der Sinn des Gottesdienstes am Sabbath, den Ruhetag zu veredeln, ihm die religiöse Weihe zu verleihen? Und da nun einmal, wie die Verhältnisse heute liegen, der Sonntag unser Ruhetag ist, sollten wir, die wir in uns die Sehnsucht nach religiösem Erleben fühlen, nicht das Recht, ja sogar die Pflicht haben, unseren Ruhetag durch einen erhebenden Gottesdienst, zu einem, religiösen Feiertage zu gestalten? Aber, wiird dann immer von Gegnern eingewandt, veranstaltet nur so viel Gottesdienst wie ihr wollt am Sonntag, ein Schabbes wird der Sonntag niemals werden. Ich muß gestehen, daß mir diese Art des Fühlens fremd ist. Ich kann nicht behaupten, daß ich irgendein feierliches Empfinden am Sonnabend habe, wenn ich an ihm meine beruflichen Pflichten wie an jedem anderen Tage erfülle. Ich rede da für viele junge liberale Juden, denn der größte Teil unserer Jugend geht doch am Sonnabend zur Schule oder übt seinen Beruf aus. Für ihn gibt es heute überhaupt keinen Sabbath mehr, denn solange wir nicht die Möglichkeit haben, den Sonntag durch den Gottesdienst zu weihen, solange kann der Sonntag auch kein Sabbath für uns sein. Die Sabbathidee, die Idee, daß der Mensch einen Tag der Woche sich selbst seiner inneren Erhebung widmen soll, sie ist viel zu groß, um durch die Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag verloren zu gehen. Ganz im Gegenteil, der Sabbath geht

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