Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 17 — Aber ist denn Palästina wirklich immer die Heimat der Juden gewesen? Schon Abraham, unser Stammvater, wird „Iwri", der Hebräer genannt, weil er von „jenseits des Euphrat" ins heilige Land gekommen ist, und seine Nachkommen werden die Hebräer genannt. Der Prophet Jona bekennte „Iwrijonachu". Ich bin ein Hebräer! Jakob und die Seinen wanderten freiwillig,, ebenso wie Abraham auf Gottes Befehl, aus ihrer Heimat ins Land Ägypten ein. Zur Zeit der Richter und! Könige gab es schon jüdische Kolonien in Phönizien, Syrien und anderen Randstaaten des Mittelmeeres, ja. sogar auf dem europäischen Ufer, müßten demnach die Juden nicht auch dorthin „heimkehren"? Uber alle diese Erwägungen und Fragen setzt sich L. aber hinweg mit der kühnen Behauptung: „W ir selbst bedürfen keiner Sinnbilder mehr. Die Stiftshütte und der Tempel, den das Volk dem unsichtbaren Gott zur Wohnung einrichtete, wurden zu Staub, der dritte Tempel wirdnie sein und ewig dauern, denn er wird im Geist erbau t." 2. Hat L., wie wir gesehen haben, an der Hand der Bibel — nicht.aus religiösenGründen — die „Heimkehr der Juden" zu begründen versucht, so fordert er sie hier aus nationalen, innerpolitischen Gründen. Diese findet er in der seiner Meinung nach überflüssig gewesenen und unheilvoll wirkenden Emanzipation der Juden. Er sagt darüber: „Der Irrtum der Emanzipationszeit, der die ältere Generation gefangen hielt und noch bis heute gefangen hält, wurde jetzt deutlich. Die bürgerliche Gleichberechtigung war für das Zusammenleben der Juden und! Nichtjuden in den europäischen Staaten notwendig geworden, aber die Antwort auf die Judenfrage konnte sie nicht bringen. (Man vergleiche hierzu oben, Brunner über die Judenfrage.) Für'diese gab es nur zwei Formien: Das vollkomimene Verschwinden der Juden tinter die Völker oder ihren Wiedereintritt in die Reihe der für sich selbst verantwortlichen, für sich selbst handelnden Nation. Um der bürgerlichen Gleichberechtigung willen hatten die Juden — den verzweifelten, den unmöglichen Versuch gemacht, ihr geschichtliches Gedächtnis auszulöschen. — Der Selbstaufgabe des Judentums antwortete der Hohn des Antisemitismus." — Diese Worte L/s enthalten drei krasse Widersprüche gegen die geschichtlichen Tatsachen, i. Die Emanzipationsbestrebungen zu Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts, die Schriften eines Manasse ben Israel, eines Moses Mendelsohn, eines Gabriel Riesser entstanden, als ^es eine „Judenfrage" im Sinne der Gegenwart überhaupt noch nicht gab. Die französische große Revolution und ihr