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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. Seite 16

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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— 16 — Tempelsbeginn t." Wenn L. den letzten Satz auch nur symbolisch gebraucht, weil er einige Zeilen weiter sagt: „Der dritte Temjpel wird nie sein und ewig dauern, denn er wird im Geist erbaut", so ist seine Auslegung des Prophetenwortes von der Auferstehung doch sehr ernsthaft gemeint. Demnach bedeutet dieses Prophetenwort, ebenso wie die messianischen Verheißungen anderer Propheten nichts anderes als die Heimkehr a Her Juden in das gelobte Land. L. sagt ausdrücklich an einer anderen Stelle: „Es lebt die Verheißung und der Glaube, daß die an Leib und Seele verjüngte jüdische Nation in der eigenen Sache die Sache der Menschheit verteidigen wird . . . Die Stimme der Propheten, die das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit kündete, tönt uns ganz nah." L. weiß doch mindestens so gut wie jeder nicht wesensfrem/de Jude, daß die messianische Verheißung nicht allein für Israel gilt, sondern für die ganze Menschheit, die in dem Glauben an den einzigen Gott „ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Pflugscharen umwandeln wird." Und dennoch ist ihm die Erfüllung des Prophetenwortes „ganz nah" in dem Augenblicke, wo JEngland aus politischen Gründen es für angebracht hält, einen Teil des heiligen Landes (das Ostjordanland, das größtenteils von Arabern bewohnt wird, erhält nach den neuesten englischen Bestimlmlungen eine besondere Verwaltung) den Juden, die ihr Vaterland freiwillig oder gezwungen verlassen, zur Kolonisierung anzubieten, nachdem ihm von dem Völkerbund das Mandat für Palästina erteilt worden ist! — — Das wäre also das Ende der großen weltgeschichtlichen Mission des Judentums für die ganze Menschheit, eine Mission, die von den größten Gelehrten aller Völker und aller Bekenntnisse anerkannt ist — die Ansiedlung von all erhöchs tens einem Siebentel aller Juden der Welt in dem — nicht freien — sondern unter englischer Hoheit stehenden Palästina!! Und ihre herrliche Sprache, deren Duft noch heute alle Kulturmenschen ohne Unterschied des Bekenntnisses erfreut,^ ihre tiefschürfenden Gleichnisse, ihre wahrhaft göttlichen Geistesgaben und diejenigen anderer biblischer Bücher, welche auf die Mission Israels hinweisen, sie hätten nichts anderes gewollt, als die Sache des Zionismus verkünden wollen, das ist: Die Heimkehr der Juden. So behauptet Richard Lichtheim. Und wenn Delitzsch und seine Gesinnungsgenossen noch nicht genug Beweise für „die große Täuschung" haben, sie werden sich sicher diese Enthüllungen Lichtheims nicht entgehen lassen.

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