Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 15 — «daß nämlich erst in den letzten 40 Jahren, bis der zionistische Gedanke auftauchte, "die Keime der Palästinasiedlung nur jung und schwach waren, widerspricht den Tatsachen. Ein so guter Kenner der Paläst inasiedlung, wie Lichtheim* weiß doch sicher, daß vor mehr als 60 Jahren Montefiore, Alfelth, Cohen, später Rothschild, Baron Hirsch und die Alliance mit außerordentlichen Mitteln — neben den Kolonien in den Vereinigten Staaten und Argentinien — im heiligen Lande eine beträchtliche Anzahl jüdischer, zum Teil blühender Kolonien gegründet haben, warum verschweigt er seinen nichtjüdischen Lesern diese Tatsachen?-- L. weiß ferner, daß Theodor Herzl, der erst nach jahrelanger schriftstellerischer Tätigkeit sein jüdisches Herz entdeckte (den eigentlichen Grund zu diesem Gesinnungswechsel kennt L. so gut wie jeder Kenner der Bewegung), anfangs nur für eine Unterbringung der grausam verfolgten Ostjuden im heiligen Lande und — in anderen Ländern warb und daß er erst auf dem Baseler Kongreß im Jahre 1897 sich für den Grundsatz „Der Zionismus erstrebt für das-jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina" erklärte. Weshalb, nennt übrigens L. in diesem Zusammenhange nicht auch Nordau, der doch auch viele Jahre an der Spitze der nationalen zionistischen Bewegung stand, trotz seiner rassen - und Teligionsfrem' den Frau, und der sich später völlig von dieser Bewegung zurückzog? — Wir können in einem Zeitungsartikel nicht alle Behauptungen und Ansichten Lichtheims, die er nicht ohne Absicht in einer nichtjüdischen Zeitschrift veröffentlicht und die der Herausgeber nicht ohne Absicht zum Abdruck bringt, widerlegen, dazu wäre ein ganzes Buch notwendig. Nur drei Punkte bedürfen hier unbedingt der Aufklärung, einmal, um nachzuweisen, daß L., wie er seine nichtjüdischen Leser glauben machen will, nicht im Namen des Judentums spricht, dann aber auch, um auf die ungeheure Gefahr hinzuweisen, die uns in unserem Kampfe gegen unsere Feinde droht, die mit Wonne aus dem Lichtheimischen Artikel, also aus unserer eigenen Haut, Leder zu Riemen herausschneiden werden. 1. Im Stil des Propheten, ein neuer Jeremias, sagt L.: ,,Von den vier Enden der Welt kommt der Widerhall unseres Rufes. Im Namen Zions erheben sich die verstreuten Gemeine des Volkes und fügen sich zum lebendigen Körper, den der Atem der Nation beseelt. Die Juden schicken sich ein, aus den Ländern der Zerstreuung nach Palästina zurückzukehren, um das Land wieder in Besitz zu nehmen und die Verheißung wahr zu machen. Der Bau des dritten