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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. Seite 258

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 258 (sequence 18)
Language
German
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- 258 — daß wir jüdisch-religiös sind, daß wir im Judentum eine fortschreitende, der Entwicklung zugängliche Erscheinung sehen. Wir wollen unsere jungen Leute dazu bringen, sich eine eigene liberale Anschauung zu erwerben, deshalb müssen wir in erster Linie an uns selbst arbeiten. Während der zehn Jahre nun haben wir versucht, diese* unsere Ziele zu verwirklichen durch Vorträge, Diskussionsabende und laufende Kurse. So ist es uns gelungen, wenigstens einen Teil unserer Jugend für die liberale Idee zu begeistern, so daß sie mit ganzem Herzen bei uns steht." Dann hielt Herr Rabbiner Dr. Baeck die Festansprache über das Thema: Das Judentum der Jugend: „Vor sechs Jahrzehnten etwa wäre ein Jüdisch-liberaler Jugendverein eine Unmöglichkeit gewesen. Damals war das Judentum keine Religion der Jugend, sondern der Großväter. Die Juden lebten damals unter dem Eindruck, daß sie die letzte Generation im Judentum seien, daß vielleicht schon ihre Kinder, bestimmt aber die Enkel, andere Wege gehen würden. Und doch ist es anders gekommen. Wir leben heute in einer Zeit der Wiedergeburt, wo in allen Richtungen die Jugend die Führung zu übernehmen beginnt. Wir sehen heute nicht mehr zum Gott der Väter auf, der über den Gräbern schwebte, sondern Gott zieht wieder vor uns her, führend in das Land der Jugend. Aber nicht jeder' ist jung, der es an Jahren zu sein scheint. „Jugend ist Trunkenheit", zur Jugend gehört Begeisterungsfähigkeit. Für die Jugend dürfte es nur das Wort „ja" geben, denn alles kommt aus diesem „ja". Wenn dies für eine Jugend gilt, so für die liberale. Liberal soll nicht, wie bei so vielen, heißen, daß man weiß, was man nicht ist, was man nicht glaubt, was man nicht will. Immer nur von dem Abwehren, dem „anti" zu leben, macht auch den Jüngsten zum Greise. Es gibt keine Jugend ohne den Willen zum Positiven, keine Jugend, die nicht im Grunde gleichgültig ist gegen das, was der andere denkt, was der andere tut. Für ihre eigenen positiven Ideale muß sich jede Jugend begeistern. Begeisterungsfähigkeit erfordert aber Opferwilligkeit, ohne diese ist sie eine Art Genußsucht. Wenn 'die Jugend auch meist keine Opfer an Geld zu bringen vermag, so kann sie sich doch selbst voll für ihre Ideale einssetzen. Jeder muß eist durch die Opfer der Persönlichkeit den Beweis seiner Jugend erbringen. Der Ausfluß der Opferwilligkeit aber ist die Tat. Und unser Verein gibt der Jugend den Platz, auf dem sie sich betätigen kann. Es wird so vieles von den Liberalen in bezug auf Gottesdienst, Gemeindeverwaltung, Lehrerschaft usw. gefor-

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