Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 257 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 257 — sein vor. Die Grundlage unserer Arbeit, der gemeinsame Boden, auf den wir uns stellten und auf dem wir immer fester Fuß zu fassen uns bemühen, ist der jüdische Liberalismus. Mit Rücksicht auf die hiesigen Verhältnisse entschlossen wir uns nach reiflicher Überlegung, unsere Tätigkeit in unserem kleinen Kreise weiterzuführen mnd in zielbewußter Arbeit allmählich die Grenzen zu erweitern. Wir hoffen, daß wir so eine gleichmäßig mitarbeitende, stark interessierte Schar von Mitarbeitern und Vorkämpfern unserer liberalen Sache bilden werden. Von diesem Gedanken ausgehend, beschlossen wir 18 junge Leute am 21. Oktober d. J., den Jüdisch-liberalen Jugendverein Münster zu bilden. Münster i. W., 10. 11. 1920. Rabbiner Dr. Steinthal. Zehnjähriges Stiftungsfest des Iii-Berlin. Am Sonnabend, den 17. Oktober, beging der Iii-Berlin sein zehnjähriges Stiftungsfest mit einer Festversammlung in der Aula des Dorotheenstädtischen Gymnasiums. Das Fest wurde durch den Gesang des „Hallelujah" feierlich eingeleitet. Nach den kurzen Begrüßungsworten des ersten Vorsitzenden, Herrn stud. ing. Bruno Woyda, sprach Herr Lehrer Robert Hirschfeld über unsere zehnjährige Tätigkeit. Der Herr Redner führte ungefähr aus: „Vor zehn Jahren stand die jüdische Jugendbewegung Berlins in ihren ersten Anfängen. Es gab nur einen nationaljüdischen Verein und einen neutralen. Bald aber kam es im neutralen Jugendverein zu heftigen Kämpfen, die dazu führten, daß sich die nicht national gesinnte, auf dem Standpunkt des religiösen Fortschritts stehende Jugend zusammenschloß und mit Hilfe des Liberalen Vereins den Iii gründete. Doch nur vier Jahre reicher Friedensarbeit waren dem jungen Verein vergönnt. Da brach der Krieg aus, und nur wenige blieben zurück, die meisten waren zu den Fahnen geeilt.- Nur der Ausdauer der wenigen, die zurückblieben, ist es zu danken, daß unsere Tätigkeit nie völlig ausgesetzt hat. Nur mit größter Anstrengung ist es gelungen, unseren Verein aufrecht zu erhalten, bis nach Kriegsende sich wieder größere Scharen um unser Banner sammelten. Was sind nun unsere Bestrebungen gewesen? Von Anfang an wurden hierüber zwei Meinungen laut. Die einen wollten gegen Antisemitismus und Zionismus kämpfen, die andern mehr etwas Positives schaffen. Gewiß wollen wir uns gegen Angriffe von Seiten unserer Gegner wehren, aber wir wollen damit nicht unsere ganze Kraft vergeuden. Wir wollen stets betonen,