Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 253 — solcher besonders der Mitglieder-Vortrag. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich uns hin und wieder ein Mitglied von sich aus dazu zur Verfügung stellen würde. Daneben wird allerdings auch dieser und jener Vortrag sein, der lediglich die Aufgabe hat, über ein bestimmtes Gebiet zu orientieren, gelegentlich auch einmal einer, > der, wenn auch möglichst in Beziehung zu jüdischen Dingen stehend, mehr der Anregung dient. Es ist zu hoffen, daß von den vielen Besuchern, die dann zu einem literarischen Vortrag plötzlich im Iii erscheinen, einige dann auch einmal zu einem änderen Vortrag kommen werden. Meine Damlen und Herren! Ich bin am Ende. Zum Schluß will ich noch einmal den Appell an Sie richten: Der Vorstand wird tun, was in seinen Kräften steht. Aber unsere Vereinsarbeit kann nur Früchte tragen, wenn jedes einzelne Mitglied sich verpflichtet fühlt, mitzuarbeiten und mitzuwerben innerhalb und außerhalb des Vereins! Aus Bibel und Schrifttum. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, daß der Hauptunterschied zwischen der Orthodoxie und dem Liberalismus bei der Betrachtung der Bibel in folgendem besteht: Die Orthodoxie sieht jedes Wort und jede Erzählung der Bibel als unbedingte Wahrheit an, da alles unter göttlichem Einfluß, d. h. inspiriert geschrieben ist; daher muß man bei Widersprüchen, die sich zwischen Bibelstellen selbst oder zwischen einer Bibelstelle und anderweitiger wissenschaftlicher Erkenntnis zeigt, durch Deuteleien eine Erklärung schaffen, oder die wissenschaftliche Erkenntnis dem Glauben unterordnen. Für die Orthodoxie ist eben „die Göttlichkeit der Lehre" ein wesentlicher Bestandteil der Religion. Der Liberalismus dagegen, oder besser das fortschrittlich gesinnte Judentum, sieht in der Bibel zwar ein Buch voll ewiger Wahrheit und Weisheit, das von religiös begeisterten und begabten Menschen geschrieben und zusammengestellt worden ist, aber doch nur von Menschen. Daher nimmt diese Richtung im Judentum an, daß sich in der Bibel auch menschliche Züge und menschliche Irrtümer finden, und daß wir bei der Bibelerklärung ebenso vorzugehen haben, wie bei der Erklärung anderer Schriftwerke; es ist nach der Meinung des Liberalismus mehr Berechtigung vorhanden auf die Bibel als ein Werk unserer Vorfahren stolz zu sein, als wenn wir sie als ein Geschenk aus der Hand Gottes ansehen würden, das ohne