Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— '254 — unsere Mitarbeit entstanden ist; daher scheuen wir fortschrittlich Gesinnten uns nicht zuzugeben, daß irgendwo in der Bibel ein Irrtum sich befindet. Als charakteristisches Beispiel möchten wir folgendes anführen: Lev., n, 2. Dies sind die Tiere, die ihr essen dürft von allen Vierfüßlern auf Erden, (3) alle Vierfüßler, die gespaltene Klauen haben und zwar völlig durchgespaltene Klauen und zugleich wiederkäuen, die dürft ihr essen. (4) Dagegen dürft ihr von dem Tieren, welche wiederkäuen und welche gespaltene Klauen haben, die nachfolgenden nicht essen. (6) Den Hasen, denn er ist zwar Wiederkäuer, hat aber keine durchgespaltenen Klauen. Es bedarf keiner großen Wissenschaft, um zu erkennen, daß der biblische Schriftsteller sich hier in einem Irrtum befunden hat, der Hase ist ein Nagetier und kein Wiederkäuer. Der orthodoxe Dr. D. Hoffmann erklärt diese Stelle in seinem Werke das Buch Leviticus (Berlin 1905), Seite 329. Die neuen Naturforscher behaupten, daß der Hase nicht wiederkäue, da er nur einen Magen habe. Doch hat noch Linne den Hasen zu den Wiederkäuern gezählt. Es folgt hierauf die Anführung des Aristoteles über den Bau der Verdauungsorgane des Hasen, darauf fährt der Verfasser fort: Wenn nun aber diejenigen Naturforscher Recht hätten, welche behaupten, der Hase käue nicht wieder, sondern mache nur solche Bewegungen mit dem Munde, wie die Wiederkäuer, so muß man annehmen, daß die Thora die Bewegungen des Maules wiederkäuen nennt, indem es ihr bei der Bestimmung der Zeichen hauptsächlich auf die äußere Erscheinung ankommt. ... Unsere Leser werden aus dieser Erklärung das Gezwungene erkennen und ihre Unhaltbarkeit einsehen. Aus dem Talmud. Chullin Fol. 6 a. (Nach der Vorschrift der Thora sollte von dem gesamten Ertrag der Ernte ein Zehntel dem Heiligtum geweiht werden. Nach der Zerstörung des Tempels hielten die Pharisäer an diesem Gebrauch fest, indem sie den Zehnten wohltätigen Zwecken weihten. Ein großer Teil des Volkes aber, und selbstverständlich die Heiden und Samaritaner, taten dies nicht, und so entstand für diejenigen, die nichts Unversehntetes genießen wollten, oft ein Zweifel, ob sie von Speisen essen dürften oder nicht.) Hierauf bezieht sich das Folgende: R. Zera und R. Aschi kamen einst in ein Wirtshaus zu Jai und man setzte ihnen Eier vor, die in Wein gekocht waren. R. Zera aß sie nicht, weil er nicht wußte, ob