Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 251 — Denn etwas Hingabe und Eifer gehört schon dazu. Damit meine ich, daß zum überzeugten liberalen Juden nicht nur gehört, daß er das liberale Judentum richtig findet, sondern daß er es als ein Gut empfindet, an dem er mit Liebe und Hingabe hängt. Wenn das der Fäll ist, wird sich auch das Bedürfnis einstellen, es nicht nur im eigenen Leben zu verwirklichen, sondern es auch nach außen hin zu vertreten und für die Erhaltung und den Ausbau der Institutionen des liberalen Judentums in der Gemeinde mitzuarbeiten. Schließlich gehört doch zum Judentum — und gerade der jüdische Menschheitsgedanke umschließt das — das Bewußtsein, nicht nur Individuum zu sein, sondern au$h Mitglied einer Gesamtheit. Und was liegt für den überzeugten Juden näher, als dieses Bewußtsein zunächst einmal in der jüdischen Gemeinschaft zu betätigen? Das heißt zunächst, daß man sich der vorher geschilderten Aufgabe nicht entziehen soll; aber ich glaube, es heißt auch, daß der einzelne die Verpflichtung hjit, sich im jüdischen Gemeindeleben zu betätigen. Und ich glaube, daß, wer wirklich etwas Hingabe für das Judentum empfindet, das auch tun wird. Diese praktische Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiet der Gemeindepolitik kann und m|uß der Iii leisten. Auch abgesehen von der Verpflichtung des einzelnen ist der Verein als solcher dazu genötigt. Denn wir sind nun einmal die Organisation der bewußt liberalen jüdischen Jugend und als solche verpflichtet, deren Anschauungen und Interessen auch nach außen wahrzunehmen. Wir streben als solche danach, unsern Geist und unsere Anschauungen in den liberalen Kreisen der Gemeindepolitik geltend zu machen und können das natürlich nur, wenn wir uns auch an der Arbeit beteiligen. So muß der Verein auch diese Aufgabe erfüllen und diese Arbeit leisten. Aber es ist dies eben nichts, worauf wir unsere ganze Vereinsarbeit dauernd einstellen müssen oder auch nur dürfen, sondern ich habe die Überzeugung: wenn es uns erst gelungen ist, uns gegenseitig zu überzeugten und begeisterten liberalen Juden zu machen, dann wird auch jeder bereit sein, sich dem Verein für gemeindepolitische und sonstige Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Meine Damen und Herren! Ich komme jetzt dazu, aus meinen Ausführungen die Schlüsse für die Praxis zu ziehen. Sie werden ja wohl schon längst gemerkt haben, daß ich der Ansicht bin, prinzipiell seien wir auch bisher trotz allem auf dem richtigen Wege gewesen. Es ist gar nicht daran zu denken, daß wir unsere Vorträge und Kurse der bisherigen