Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 250 ±- nicht auf Massenpsyche und Fanatismus darf man eine religiöse Bewegung aufbauen. Wir dürfen uns daher auch nicht 4ur-ch 4ie Notwendigkeit, uns mit den Zionisten von Zeit zu Zeit im Wahlkampf zu messen, dazu verleiten lassen, etwa durch Popularisierung unserer Anschauungen und Phrasenhaftigkeit einen jüdisch-liberalen Religionsrummel hervorzurufen. Das würde sich auf die Dauer bitter rächen. Nein, wir müssen uns immer darüber klar bleiben, daß der Gegensatz zwischen nationaler und religiöser Bewegung auch Unterschiede in der Art zu wirken zur Folge hat. Dort ist Agitation die eigentliche Aufgabe, bei uns Erziehung, ßieser Gegensatz von Agitation und Erziehung enthält auch die Erklärung für die Verschiedenheit in der Erscheinungsform beider Bewegungen und läßt klar erkennen, um wie viel schwieriger und im Erfolg langsamer, aber auch wertvoller und in ihren Erfolgen beständiger unsere Arbeit ist. Die Ablehnung einer Massenbewegung bedeutet also nicht, daß wir die Hände in den Schoß legen sollen, sondern unsere Aufgabe erfordert besonders intensive, hingebungsvolle und geduldige Arbeit. Die eigentliche Aufgabe aber, die Aufgabe, mit der er sich dauernd und immer zu beschäftigen hat, gerade unseres Iii als eines Jugendvereins ist die Erziehungsarbeit. Wir wollen nicht in erster Linie nach außen auftreten, sondern nach innen, d. h. unsere Mitglieder sollen sich gegenseitig mit dem Geiste liberalen Judentums erfüllen. Wir sind unserem Zweck nach kein antiantisemitischer oder antizionistischer Kampfverein, sondern eine Erziehungsgemeinschaft. An ihr soll sich jedes Mitglied, sei es aktiv oder passiv, beteiligen. Wer sich dazu befähigt glaubt, soll kommen und in gegenseitiger Aussprache sowie in persönlicher Fühlungnahme den anderen ihren Kampf um einen religiösen Standpunkt mitkämpfen helfen und auf diese Weise auch seine eigenen Anschauungen weiter klären. Diejenigen Mitglieder aber — und deren haben wir zweifellos nicht wenige —<} die sich um einen^Standpunkt zu den religiösen Dingen noch gar nicht recht bemüht haben, die vielleicht nur aus antizionistischem Interesse in den Verein gekommen sind, die sollen wenigstens den Willen haben, jene Einwirkungen auf sich wirken zu lassen. Sie sollen herkommen und zuhören, sie sollen, wenn sie in der Aussprache noch nichts Positives hinzustreuen haben, wenigstens fragen. Und mancher, der heute wenig Interesse für religiöse jüdische Dinge hat, nur weil er sich nie dazu bequemt hat, sich mit ihnen zu befassen, wird finden, daß es da auch für ihn Werte gibt, die eine Hingabe und ein wenig Eifer schon lohnen.