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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. Seite 249

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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— 249 — wir bemüht, die Mitglieder des Iii zur Wahlarbeit zur Verfügung zu stellen. Wir gingen dabei von der Überzeugung aus, daß wirkliches Interesse am liberalen Judentum sich auch in der Bereitwilligkeit zeigen müsse, für die Durchsetzung unserer Forderungen in der Gemeinde ein paar Tage zu arbeiten. Einige Mitglieder haben sich in der Tat voll Hingabe in den Dienst unserer Sache gestellt und unermüdlich und erfolgreich gearbeitet. Aber es waren wenige, sehr wenige. Und selbst die Zahl derer, die wenigstens am Wahltag selbst ihre Pflicht erfüllt haben, war nicht groß. Die Mehrzahl unserer Iii-Mitglieder — der Vorstand hält es für seine Pflicht, Ihnen das hier einmal offen zu sagen — hat im Wahlkampf versagt, hat eine Interesselosigkeit und Gleichgültigkeit gezeigt, die wahrhaft beschämend ist. Die meisten dachten überhaupt nicht daran, wenigstens einmal einen Sonntag zu opfern. Immer wieder hörte man die nichtigsten Ausreden. Kurz und gut, die Erfahrungen der Wahlarbeit sind für unseren Iii recht traurig. Angesichts der Wahlerfahrungen erhebt sich mit Notwendigkeit die Frage: Was soll der Iii tun? Ist er mit seiner Tätigkeit bisher prinzipiell auf dem richtigen Wege gewesen, oder muß er etwa seine ganze Tätigkeit umstellen? Ein Vergleich drängt sich bei solchen Gelegenheiten immer wieder auf und ist mir gerade auch von Seiten älterer Herren oft entgegengehalten worden, der Vergleich mit der zionistischen Jugend. In der Tat, deren Hingabe, Opferfreudigkeit und Arbeitslust ist bewunderungswürdig, und mancher von uns könnte sich ein Beispiel daran nehmen. Insofern isf dieser Hinweis berechtigt. Aber er ist bedenklich, wenn er etwa bedeuten soll, daß wir für die liberale Jugend dieselbe Geistesverfassung erstreben sollen wie für die zionistische. Das ist energisch und nachdrücklich abzulehnen. Selbst wenn wir es könnten, dürften wir keine religiös-fanatische Massenbewegung entfesseln. Wir müssen nicht das instinktmäßige Aufgehen des einzelnen in der Masse, sondern die Selbsterziehung des einzelnen zum Gemeinschaftsgeist suchen. Große Massenbewegungen — Masse nicht als große Anzahl verstanden, sondern als eine unter einer Art Massensuggestion stehende Menge, wie es der Zionismus meines Erachtens ist — haben keinen dauernden Bestand und am wenigsten geistigen. Es liegt im Wesen ganz besonders der religiösen Massenbewegung, schnell sehr hoch anzuschwellen, um dann verhältnismäßig bald ebenso schnell wieder zusammenzubrechen. Gerade das Judentum hat seine größten Werte — ich erinnere an die Propheten — nie aus einer solchen Massenbewegung heraus erzeugt. Also

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