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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. Seite 247

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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— 247 — sich den Satz des Dichters zu eigen gemacht: „Denn Dulden ist das Erbteil unseres Stammes". Hier aber vertrauten wir auf die Kraft der Wahrheit, für unser Empfinden war diese Vergleichung eine so schlagende, daß wir glaubten es könne nicht anders sein, als daß der so oft zu Unrecht angerufene gesunde Menschenverstand diesmal über Böswilligkeit und blindes Vorurteil den Sieg davontragen werde, daß das deutsche Volk durch jene gehässigen Angriffe, welche nach Form und Inhalt den gegen die Juden erhobenen Vorwürfen manchmal Wort für Wort nachgebildet zu sein schienen, dazu gelangen werde, sein Urteil über diese einer Nachprüfung zu unterziehen und daß das Ergebnis einer solchen Nachprüfung nur die Gewinnung eines gerechteren und von Voreingenommenheit freieren Standpunktes sein könne. Wir haben leider wieder einmal eine Enttäuschung zu verzeichnen. Weder das gemeinsam vergossene Blut, noch die sonstigen zahllosen Opfer, die uns so wenig erspart geblieben sind wie der christlichen Bevölkerung dieses Landes und die wir ohne Murren gebracht haben, waren im Stande, den alten Haß zu dämpfen oder gar zu bannen. Was uns aufrecht erhält, das ist die Ruhe eines guten Gewissens und das Bewußtsein der erfüllten Pflicht. Wir haben sie erfüllt um ihrer selbst willen, ohne Anspruch noch Hoffnung auf Dank oder Lohn, niemand zu Lieb und niemand zu Leid. Wir deutschen Juden tragen heute doppeltes Leid: Will der eine oder andere unserer christlichen Mitbürger uns nicht als seinen Volksgenossen anerkennen, versagt e^r uns den Titel eines Deutschen, so ist dafür eines um so gewisser, daß nämlich der erbarmungslose, übermütige, seine Siegerstellung schnöde mißbrauchende Feind uns diesen Titel mit allen Lasten, die jetzt auf ihn gelegt sind, zuerkennt, daß wir in seinen Augen keine staatenlosen Ausländer sind. Schon in Friedenszeiten mußte ich im jetzigen Feindesland einmal die Worte hören: „Je vous deteste pour deux raisons, Parceque vous etes Allemand et que vous etes Juif." „Ich hasse Sie aus zwei Gründen: Weil Sie Deutscher und weil Sie Jude sind." Und es ist seither dort drüben sicherlich nicht anders geworden. Dann noch eines: Aller menschlichen Voraussicht nach ist es dieses Jahr das letztenmal, ..daß wir das Chanukkafest in Anwesenheit unserer lieben christlichen Gäste begehen dürfen; im nächsten Jahre werden, falls nicht, was Gott verhüten möge, dieser Krieg wieder aufleben oder ein neuer Krieg entbrennen sollte, die Verwundeten und Kranken ihrem bürgerlichen Berufe zurückgegeben sein und die Krankenschwestern in einer weniger anstrengenden und verantwortungsvollen Tätigkeit Gelegenheit gefunden haben, sich von

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