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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. Seite 245

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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— 245 — Weise in diesem Hause begangen, aber unwillkürlich schweiften unsere Gedanken hinaus über die Grenzen zu den blutgetränkten Stätten, wo der männermordende Kampf tobte, wo das Schwert die Blüte der Nation hinwegraffte, immer standen wir, wir mochten es wollen oder nicht, im Banne der ungeheuren Geschehnisse und mit jeder dieser Feiern war der innige Herzenswunsch verbunden: möchten wir doch im nächsten Jahre das Chanukkafest nicht bloß als Erinnerung an einen in grauer Vorzeit errungenen Sieg unserer Ahnen, sondern als ein wahres Siegesfest auch für uns, als die Feier eines glänzenden Sieges des von seinen zahllosen Feinden und Drängern befreiten deutschen Reiches begehen dürfen! Und nun! Wie ist doch alles so ganz anders gekommen, als wir es erhofft und erträumt hatten! Wie ist doch die jeden geschichtlichen Vergleichungsmaßstab sprengende todesverachtende Tapferkeit unseres Heeres außer Stande gewesen, die furchtbarste Katastrophe, welche die Welt je gesehen hat, von uns abzuwenden. Wie waren wir doch beibeinahe von einem Tag auf den andern von jeglicher Hilfe entblößt, der Ubermacht unserer Gegner preisgegeben. Wie ist doch das Wort des Propheten an uns in Erfüllung gegangen, der bei der Belagerung Jerusalems den Juden, die auf Entsatz durch ihren Verbündeten, den König von Ägypten hofften, zurief: „Mein Volk, verlasse dich nicht auf Ägypten, Ägypten ist ein spitzes Rohr, welches die Hand desjenigen durchbohrt, der sich darauf stützt." * Bergehoch türmen sich die Schwierigkeiten, dunkel und dräuend ballen sich die Wolken um uns zusammen, düster liegt die Zukunft vor unserem geistigen Auge. Es ist hier nicht der Ort, in eine Prüfung darüber einzutreten, weshalb dieses Furchtbare über uns gekommen ist, ob es über uns kommen mußte, und in dem Meinungsstreit, der sich hierüber entsponnen hat, für oder wider Stellung zu nehmen. Und doch fühle ich mich versucht, wenigstens einem Gesichtspunkt näher, zu treten, der im Verfolg dieser Gedanken sich mir unwillkürlich aufdrängt. Wir alle wissen, daß der entsetzliche Krieg, welcher jetzt hinter uns liegt, nicht bloß ein Kamjpf der Waffen war, sondern auch ein Kampf des Geistes. In Wort und Schrift wurde nicht nur die Berechtigung der eigenen Sache, für welche mian kämpfte und litt oder zum mindesten der gute Glaube an dieses Recht verfochten, sondern zugleich auch die Berechtigung der gegnerischen Sache bestritten und dem Gegner der gute Glaube an sein Recht abgesprochen. Betrübende und niederschlagende Enthüllungen der jüngsten Tage, deren volle Tragweite wir noch nicht zu übersehen

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